Politik : Prozessauftakt in Verfahren zu 9/11-Anschlag

Guantanamo Bay - Mehr als sechseinhalb Jahre nach den verheerenden Terrorattacken in den USA vom 11. September 2001 hat am Donnerstag der Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher Chalid Scheich Mohammed und vier Mitverschwörer begonnen. Zum Auftakt des Verfahrens vor einem Sondermilitärgericht im US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba erklärte der 54-Jährige, er wolle die Todesstrafe, um als „Märtyrer“ zu sterben. Die gestellten Anwälte lehne er ab, weil die USA noch immer gegen Muslime im Irak und in Afghanistan kämpften.

„Das ist es, was ich will“, sagte Mohammed auf den Hinweis des Militärrichters Ralph Kohlmann, dass ihm die Todesstrafe drohe und er deshalb nicht auf einen Rechtsbeistand verzichten sollte. Der 44-Jährige hatte zuvor erklärt, „aus religiösen Gründen“ könnten die Angeklagten keine Amerikaner als Anwälte akzeptieren. Neben ihm steht der mutmaßliche Mitverschwörer Ramzi Binalshibh vor Gericht, der als Mitglied der „Hamburger Zelle“ mit einem der späteren Attentäter des 11. September 2001 konspiriert haben soll. Außerdem sind drei weitere Männer angeklagt. Gegen eine sechsten Verdächtigen waren die Vorwürfe fallengelassen worden.

Chalid Scheich Mohammed war am Morgen ohne Fesseln in Begleitung seiner Anwälte vor Gericht erschienen, um gemeinsam mit den anderen Verdächtigen an der Anklageverlesung teilzunehmen. Danach hätten die Angeklagten Gelegenheit zu einer Erklärung, teilte das Pentagon mit. Das eigentliche Verfahren solle vermutlich erst im September anlaufen. Insgesamt gehe es um 169 Vorwürfe, unter anderem um Verschwörung, Mord und Flugzeugentführung. Bei den drei anderen Angeklagten handelt es sich den Angaben zufolge um die Guantánamo-Häftlinge Ali Abdel Asis Ali, Mustafa Ahmed al-Hausawi und Walid bin Attasch. Ihnen werde unter anderem die Unterstützung und Ausbildung der Attentäter vorgehalten. Das Verfahren in Guantánamo ist der wichtigste Prozess seit den Terrorattacken, bei denen in New York und Washington fast 3000 Menschen getötet wurden. Mohammed gilt den US-Ermittlern als „Gehirn“ der Attentatsserie. Der in Kuwait geborene und in Pakistan aufgewachsene Mann galt zeitweise als „Nummer drei“ des Terrornetzwerks El Kaida. dpa

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