Politik : Prozessbeginn in Wien zu Bankenskandal

Wien - In Wien hat am Montag der bisher größte Wirtschaftsprozess Österreichs begonnen. Die Staatsanwaltschaft griff die neun Angeklagten im Bawag-Bankenskandal heftig an. Staatsanwalt Georg Krakow nannte die Ex-Manager der traditionsreichen, ehemaligen Gewerkschaftsbank „Finanzjongleure, die einen der weltweit größten Verluste in Bankgeschäften überhaupt verursacht“ hätten. Der Verteidiger des Hauptangeklagten und Ex-Vorstandschefs Helmut Elsner nannte die Umstände des Strafverfahrens eine „blanke Menschenjagd“, die Angeklagten seien bereits „vorverurteilt“.

Die acht Ex-Bawag-Vorstände und der in den USA lebende Investmentbanker Wolfgang Flöttl sollen der Bank durch hochriskante Finanztransaktionen in der Karibik in den 90ern Milliardenverluste zugefügt zu haben. Dann sollen sie versucht haben, den Zusammenbruch der 2006 an den US-Hedge-Fonds Cerberus verkauften Bank durch gesetzwidrige „Vertuschungsaktionen“ zu verhindern. Die Höchststrafe dafür liegt in Österreich bei zehn Jahren Haft. Das Gericht will an 44 Prozesstagen rund 50 Zeugen hören. Das Urteil wird für den 31. Oktober erwartet.

Nebenkläger sind der Österreichische Gewerkschaftsbund ÖGB und die neue Bawag-Spitze, die nach eigenen Angaben durch die Manipulationen rund 1,4 Milliarden Euro Verluste erlitt. Laut ÖGB-Nebenkläger hat der ÖGB durch die Taten der Angeklagten praktisch sein gesamtes Kapitalvermögen sowie seit 60 Jahren angesammelte Geldmittel verloren. Der Ankläger nannte Elsner (72) „den Kopf der Gruppierung, die die Bawag fast zu Grunde gerichtet hat“. Elsner war 2006 nach langem Tauziehen zwischen österreichischer und französischer Justiz von seiner südfranzösischen Villa in Wiener Untersuchungshaft gekommen. dpa

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