Prüfbericht : Weiterhin Qualitätsdefizite in der Pflege

Bei der Pflege gibt es in Deutschland weiter erhebliche Missstände. Trotzdem soll sich der allgemeine Pflegezustand verbessert haben, heißt es im Prüfbericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen.

Laut dem Bericht wurde bei Kontrollen in jüngster Zeit im Durchschnitt bei jedem zehnten Heimbewohner und bei 5,7 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause ein "akut unzureichender Pflegezustand" festgestellt. Im ersten, 2004 vorgelegten Bericht, war dies noch bei 17,4 Prozent der Heimbewohner und bei 8,8 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause der Fall.

Großes Relativieren und Beschwichtigen

Allerdings weist der Bericht nach wie vor Mängel im Bereich Ernährung und Flüssigkeitsversorgung der Pflegebedürftigen aus. Bei etwa jedem dritten Pflegefall (Heime: 34,4 Prozent; ambulante Pflege: 29,6 Prozent) stellten die Prüfer Defizite fest. Dies bedeute aber nicht unbedingt, dass die Betroffenen unterversorgt oder mangelhaft ernährt seien, betonte zumindest Jürgen Brüggemann vom MDS. Vielmehr führten auch unzureichende Gewichtskontrollen und eine fehlende Ermittlung des Energiebedarfs der Bewohner zu einer schlechteren Bewertung durch die Prüfer.

Mehr als 35 Prozent der Heimbewohner und etwa 42 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause werden dem Bericht zufolge nicht häufig genug umgebettet. Dies lasse aber keine Rückschlüsse darauf zu, ob bei den Betroffenen schon akute Gesundheitsprobleme wie etwa ein Wundliegen aufgetreten seien. Generelle Anschuldigungen werden in dem Bericht vermieden. Die Argumentation ähnelt daher gelegentlich einem Drahtseilakt.

"Signifikante Verbesserung" gegenüber Vorgängerbericht

MDS-Geschäftsführer Peter Pick wies einen Bericht der "Bild"-Zeitung über angeblich skandalöse Zustände bei der Pflege zurück. Es gebe eine "signifikante Verbesserung" gegenüber dem Vorgängerbericht von vor drei Jahren, sagte Pick. In einigen Heimen gebe es aber nach wie vor Missstände. Teure Einrichtungen sind dabei nicht automatisch besser: Die Prüfungen hätten keinen Zusammenhang zwischen Kosten und Qualität festgestellt, hieß es.

Der MDS gibt alle drei Jahre einen umfassenden Bericht zur Situation und zur Entwicklung der Pflegequalität bei häuslicher Pflege und in Pflegeheimen ab. Der jetzt vorgestellte Bericht bezieht sich auf die Jahre 2004 bis 2006. Dafür wurden Daten aus 3.736 Qualitätsprüfungen in ambulanten Pflegediensten und aus 4.215 Qualitätsprüfungen in stationären Pflegeeinrichtungen ausgewertet. Im Rahmen der Qualitätsprüfungen wurden rund 14.950 Pflegebedürftige, die von ambulanten Pflegediensten betreut wurden, und 24.650 Bewohner von Pflegeheimen zu ihrer Versorgungssituation befragt und ihr Pflegezustand bewertet. Außerdem wurden in den Einrichtungen Pflegekonzepte, Abläufe und die fachliche Arbeit der Pflegekräfte überprüft.

Mehr unangemeldete Kontrollen gefordert

Der Chef des Verbands der Angestellten-Krankenkassen, Werner Gerdelmann, forderte härtere Konsequenzen bei qualitativ schlechten Pflegeeinrichtungen. "Wenn man schwarze Schafe entdeckt, dann kann man die ja nicht einfach so weiterlaufen lassen, sondern man muss hier reagieren. Die Reaktion muss im Extremfall auch sein, dass diese Einrichtung aus der Versorgung herausgenommen wird", sagte er. Dies sei heute ein langwieriger juristischer Weg. Zudem forderte Gerdelmann mehr unangemeldete Kontrollen als heute. Die Pflegekassen erhoffen sich zudem Unterstützung von der anstehenden Reform der Pflegeversicherung. Die Reform werde für mehr Transparenz sorgen. (mit dpa/MDS)

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