Politik : Pulverfass Nordkaukasus (Hintergrund)

Elke Windisch

Der Nordkaukasus ist eine von insgesamt elf Wirtschaftszonen Russlands und gilt politisch als Problemzone. Rein administrativ gesehen gehören zum Nordkaukasus sieben Teilrepubliken: Dagestan, Tschetschenien, Inguschetien, Nordossetien, Kabardino-Balkarien, Karatschai-Tscherkessien und die Republik Adygej.

Auf den Nordkaukasus entfallen nur 1,3 Prozent der Fläche Russlands, dafür ist dort die Bevölkerungsdichte, gemessen am Durchschnitt der Russischen Föderation, extrem hoch. Willkürliche Grenzziehungen durch das Siedlungsgebiet der über 200 Völker und Volksgruppen, Deportationen in der Stalin-Zeit und Rücksiedlungen in den Fünfzigern haben zu zahllosen gegenseitigen Gebietsansprüchen geführt. Als akute Krisenherde gelten Dagestan, Tschetschenien, Inguschetien und Nordossetien.

Bis Grosny sich von Russland lossagte, bildeten Tschetschenen und Inguschen eine gemeinsame autonome Republik. Beide Völker sind eng miteinander verwandt. Erst im März 1993 konstituierte sich Inguschetien als jüngstes und kleinstes nationales Föderationssubjekt. Auf 3200 qkm leben etwa 300 000 Menschen. Fast 80 000 Inguschen lebten bis Herbst 1992 in der Nachbarrepublik Nordossetien. Nach einem blutigen Konflikt um zwei Kreise, in denen vor der Deportation 1994 vor allem Inguschen lebten, flüchteten 60 000 nach Inguschetien.

Moskau stand während des Krieges eindeutig auf Seiten der Osseten. Anders als Tschetschenen, Inguschen und die meisten Völker Dagestans haben sie sich nie gegen Russland erhoben. Die Osseten sind ethnisch den Iranern verwandt und zu 60 Prozent Muslime.

In Tschetschenien leben auf 16 100 qkm zirka. 1,1 Millionen Menschen. Nach der de-facto-Unabhängigkeitserklärung von Moskau im Herbst 1991, vor allem aber während des Krieges 1994 - 1996 ging der Anteil der Russen an der Gesamtbevölkerung drastisch zurück. Dagestan ist mit 50 300 qkm nur so groß wie die Schweiz. Dennoch gehören seine 1,85 Millionen Einwohner über 120 Völkerschaften an, die so verschieden von einander sind, dass als Verkehrssprache Russisch eingeführt wurde.

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