Politik : Punktsieg für Böhr

In CDU Rheinland-Pfalz Machtkampf entschärft

Stephan Lüke[Mainz]

Die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse steht für eine Spitzenkandidatur der rheinland-pfälzischen CDU bei den Landtagswahlen 2006 nicht zur Verfügung. Nach den Diskussionen der vergangenen Wochen, die am Freitag in der „Bitte“ des Bezirksvorstandes Rheinhessen-Pfalz an den Landes- und Fraktionsvorsitzenden Christoph Böhr gipfelten, „sich einer einvernehmlichen Lösung mit der Spitzenkandidatin Lohse nicht zu verschließen“, gab sie am Dienstag ihren Verzicht bekannt. „Nachdem klar war, dass Christoph Böhr sich allen Bemühungen um eine einvernehmliche Lösung verschließt, bin ich in den letzten Tagen von vielen Menschen aufgefordert worden, streitig zu kandidieren. Das werde ich nicht tun“, betonte sie.

Lohse sagte, sie wolle zu ihrem Wort stehen, für eine Kampfkandidatur gegen Böhr nicht zur Verfügung zu stehen. „Ich habe nichts gegen Wahlkämpfe, aber ich finde, sie sollten zwischen Parteien und nicht innerhalb einer Partei stattfinden“, meinte die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin. Das habe sie auch jenen drei Bezirksvorsitzenden gesagt, die mit dem Vorschlag einer Bewerbung an sie herangetreten seien. Nicht sie habe sich um eine Kandidatur beworben, sondern sie sei „von den dreien und von vielen anderen in der Partei und aus dem Umfeld der Partei darum gebeten worden“. Sie fügte hinzu: „Ich habe keine persönlichen machtpolitischen Ambitionen und bin gerne Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen.“

Zu jenen, die sie gebeten haben, zählt der Chef des Bezirks Rheinhessen-Pfalz, Kurt Lechner. Der Europaabgeordnete, der intern bereits geäußert haben soll, „notfalls selbst zu kandidieren“, sagte dem Tagesspiegel: „Bislang waren wir auf die unserer Meinung nach beste Lösung Eva Lohse festgelegt. Das klappt nun nicht mehr.“ Lechner sagte, er werde sich „sehr zügig“ mit den anderen besprechen und dann entscheiden, was zu tun sei. Zu den „anderen“ gehören die Bezirksvorsitzenden Joachim Hörster und Peter Rauen, die als heftigste Widersacher von Böhr gelten.

Einziger offizieller Bewerber für die Spitzenkandidatur der CDU in Rheinland-Pfalz ist damit bislang Christoph Böhr. Doch intern geht man davon aus, dass sich das bis zum Sonderparteitag am 12. November noch ändern wird. Unionspolitiker in Mainz halten es für möglich, dass noch ein Überraschungskandidat gegen Böhr antritt. Nach dem Theater, das Böhrs Gegner angezettelt hätten, könnten sie es sich einfach nicht leisten, niemanden gegen ihn aufzubieten, hieß es. Böhr selbst beharrte auf seiner Kandidatur. Er sagte: „Ich sehe nichts, was mich in meiner Entscheidung in den nächsten Wochen umstimmen könnte.“

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