Politik : Putin ernennt Kadyrow zum tschetschenischen Präsidenten

Elke Windisch

Moskau - Formell muss der russische Präsident Wladimir Putin noch die Zustimmung des tschetschenischen Parlaments einholen. Am Freitag hatte er Ramsan Kadyrow zum Interimspräsidenten ernannt. Widerstand hat er nicht zu befürchten. Mit der Ernennung legalisiert der Kreml lediglich die realen Machtverhältnisse und hat dabei die öffentliche Meinung hinter sich – in Russland wie in der Rebellenrepublik im Nordkaukasus.

Der bisherige Amtsinhaber Alu Alchanow, der am Freitag zurücktrat, war nach einem Anschlag auf den prorussischen Tschetschenenpräsidenten Ahmed Kadyrow im Mai 2004 als pure Zwischenlösung an die Macht gebracht worden. Das Sagen in Tschetschenien hatte der Sohn des Ermordeten: Ramsan. Die lokale Verfassung schreibt für das höchste Amt in der Republik jedoch ein Mindestalter von 30 Jahren vor. Ramsan aber war zur Zeit des Anschlags erst 27 und musste seinen Ehrgeiz daher zunächst als Vizepremier, später als Premier austoben.

Kadyrow zog das Tempo beim Wiederaufbau an, und es gelang ihm zu verhindern, dass das von Moskau dafür bereitgestellte Geld überwiegend in die Taschen korrupter Beamter floss. Dafür ist die Bevölkerung bereit, ihm die Willkür seiner Leibgarde zu verzeihen. Ramsan Kadyrow, findet die Gesellschaft für bedrohte Völker, gehöre nicht in ein Regierungsamt, sondern vor ein internationales Kriegsverbrechertribunal.

Die Tschetschenen indes würden ihm inzwischen auch bei freien Wahlen zu satten Mehrheiten verhelfen, wie unabhängige Umfragen ergaben. Sogar Ahmed Sakajew, der Emissär der Separatisten in London, ließ Sympathien für Ramsan Kadyrow und den Großfeldversuch durchblicken, den dieser im Auftrag seiner Paten in Moskau unternimmt. Tschetschenien soll nicht mehr militärisch, sondern wirtschaftlich befriedet werden. Glückt das Experiment, soll es auch auf die anderen nordkaukasischen Teilrepubliken übertragen werden.

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