Politik : Putin im Kaukasus: So tödlich wie vor dem Krieg (Kommentar)

cvm

In wenigen Tagen jährt sich der Beginn des zweiten Tschetschenienkriegs, mit dem Moskau den Terrorismus im Nordkaukasus ausmerzen wollte. Doch nun häufen sich Anschläge und Selbstmordattentate. Deshalb ist Präsident Putin ins Kampfgebiet gereist, um den Truppen eine Standpauke zu halten über unzureichende Disziplin, unprofessionelles Vorgehen und mangelndes Verantwortungsgefühl. Dieser Krieg hat ihn an die Macht gebracht, aber er kann ihn die Macht auch wieder kosten. Allein in der vergangenen Woche sind mehr als 60 Soldaten ums Leben gekommen - nach russischen Angaben. Die Rebellen sprechen von weit mehr Getöteten. Westliche Geheimdienste schätzen, dass die Opferzahl drei- bis viermal höher ist, als Moskau zugibt. Und nun kehrt der Krieg auch noch an seinen Ausgangspunkt zurück: Tschetscheniens Nachbarrepublik Dagestan. Als die islamischen Terroristen den Kampf vor einem Jahr dorthin trugen, schlug Moskau zurück. Doch nun beherrschen Russlands Truppen die tschetschenische Ebene, haben den Gegner auch von den früheren Einnahmequellen aus Öl- und Rauschgiftschmuggel abgeschnitten - aber er ist trotzdem noch zu Anschlägen in Dagestan fähig. Putin hat diesen Tschetschenien-Krieg mehrfach für siegreich beendet erklärt. Tatsächlich steht er kaum besser da als vor dem Krieg. Er sitzt im Kreml - doch seine Soldaten sind Zielscheiben in Tschetschenien. Auch Afghanistan sollte ein rascher Erfolg werden. Nach zehn Jahren wollten die Russen nur noch eines: raus.

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