Politik : Putin in Berlin: Gut gesprochen

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Wladimir Putins Rede vor dem Bundestag hat deutsche und hier lebende russische Intellektuelle beeindruckt. Putin erscheine ihm "ein gutes Stück moderner als viele westliche Regierungschefs", sagt der Russland-Experte und Professor an der Freien Universität, Klaus Seghbers. Eine "neue Nachdenklichkeit" zeige die Frage Putins, ob Politiker genug getan hätten, um den Menschen die durch Globalisierung und Fundamentalismus veränderten Rahmenkonstellationen zu erklären. Putin habe auch "ein besonders feines Sensorium für sein Umfeld" bewiesen. Er wisse genau, wie anders er im Bundestag als zu Hause reden müsse.

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Foto-Tour: Putins Staatsbesuch in Bildern Einer der ersten Gedanken der aus Russland stammenden Publizistin Sonja Margolina zur Rede Putins: "Er hat einen guten Redenschreiber." Die Ansprache sei "rhetorisch fast perfekt" gewesen. Man müsse aber nach der Substanz fragen. Russland dränge nach Europa und stelle gleichzeitig die Bedingung, dass der Tschetschenien-Konflikt "differenzierter" gesehen werden solle. Der Bundeskanzler wolle nun offenbar "in die falsche Richtung differenzieren". Es bestehe die Gefahr, dass er sich von Putin die Sorge um die Zivilbevölkerung ausreden lasse. Gerd Poppe, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, attestiert Putin eine "neue Offenheit, die zu Hoffnung Anlass geben kann." Man müsse ihn aber an seinen Taten messen, "gerade was Tschetschenien betrifft". Der Schriftsteller Wladimir Kaminer erlebte Putin als "sehr lebendig und europäisch." Trotzdem bleibe der Eindruck, dass er "doch mehr für sich behält als er sagt."

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