Politik : Putin kündigt Konferenz für Nahost an

Charles A. Landsmann

Tel Aviv - Der russische Präsident Wladimir Putin besucht als erster Kremlchef Israel – und niemand weiß genau, warum. Der israelische Premier Ariel Scharon hat Putin eine persönliche Einladung zukommen lassen, und völlig überraschend hat dieser sie angenommen. Nun heißt es in Jerusalem, Putins Visite, die am späten Mittwochabend begann und auch einen Besuch bei den Palästinensern umfasst, sei ein historisches Ereignis und diene „der Vertiefung der Kooperation“ vor allem im Wirtschaftsbereich – über 70 Prozent des israelischen Erdölbedarfs werden durch Russland gedeckt – und dem Kampf gegen den Terror.

Die naheliegendste Erklärung für Putins Blitzvisite wurde nirgends erwähnt: Dass Russland als Teil des Nahostquartetts – zusammen mit den USA, der EU und den UN – durchaus wichtige politische Interessen im Nahen Osten hat und an der Umsetzung des Friedensplans, der so genannten Road Map, interessiert ist. Putins Ankündigung am Mittwoch in Kairo, dass er im Herbst eine Nahost-Friedenskonferenz einberufen wolle und dies auch seinen israelischen Gastgebern mitteilen werde, machte wenige Stunden vor seiner Ankunft in Israel seine Absichten klar.

Ariel Scharon will seinen Gast auf drei Themen ansprechen: den virulenten Antisemitismus in Russland, die Gefahr nuklearer Aufrüstung Irans und die Lieferung russischer Luftabwehrraketen an Syrien. Moskau hat bereits klargestellt, dass es die Waffen trotz israelischer Warnungen, sie könnten in die Hände der Hisbollah fallen und gegen Nordisrael eingesetzt werden, liefern werde. Jerusalem wiederum betonte, es komme nicht in Frage, israelische Staatsbürger an Russland auszuliefern. Vermutet wird, dass Putin die Auslieferung von fünf russischen Milliardären verlangen könnte, die zu seinen ärgsten politischen Gegnern zählen. Sie leben in Israel, werden in Russland des Betruges beschuldigt und besitzen – als ehemalige Partner des inhaftierten Michail Chodorkowskij – über eine Holding rund 60 Prozent der Reste des aufgelösten Jukos-Konzerns.

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