Putin und Trump beim G20 : Internationale Politik braucht große Treffen

Haben Trump und Putin in Hamburg irgendwelche Fortschritte erzielt? Unerheblich. Was zählt: Sie kennen sich jetzt von Angesicht zu Angesicht. Ein Kommentar.

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Wo hätten sie sich sonst treffen sollen? US-Präsident Donald Trump (rechts) und der russische Präsident Wladimir Putin beim G 20.
Wo hätten sie sich sonst treffen sollen? US-Präsident Donald Trump (rechts) und der russische Präsident Wladimir Putin beim G 20.Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Warum mussten sich Trump und Putin ausgerechnet in Hamburg treffen? Hätten sie nicht auch woanders miteinander reden können? In dieser Frage, am Sonntag bei Anne Wills ARD- Talkrunde gestellt, schwingt der Zweifel am Sinn internationaler Konferenzen wie dem G-20-Gipfel mit. Nicht nur Zyniker stufen sie ja unter „Außer Spesen nichts gewesen“ ein, wobei das für Hamburg nicht einmal zutrifft. Zu den 130 Millionen Euro, die die Veranstaltung kostet, sind Schäden durch marodierende Krawalltrupps zu addieren – und bohrende Zweifel an der Fähigkeit der Polizei, die Bürger schützen zu können.

Globale Diplomatie kommt ohne derartige Veranstaltungen nicht aus

Tatsächlich kommt die globale Diplomatie ohne derartige Veranstaltungen nicht aus. In deren Rahmen können sich Spitzenpolitiker unauffällig persönlich kennenlernen oder bilaterale Probleme besprechen, ohne gleich überzeugende Ergebnisse präsentieren zu müssen. Ein offizielles Gipfeltreffen eines amerikanischen Präsidenten mit seinem russischen Pendant stünde unter Erfolgsdruck – gäbe es kein vorzeigbares Resultat, würden alle von Scheitern sprechen. Das wäre nicht gut für die Beziehungen der beiden Staaten zueinander, vor allem erhielten ganz normale Interessengegensätze eine völlig unangemessene Dimension.

Ob Trump und Putin in Hamburg irgendwelche Fortschritte erzielt haben, ist relativ unerheblich. Was zählt: Sie kennen sich jetzt von Angesicht zu Angesicht. Wie und wo hätte das sonst stattfinden können? Am Ende ist eben Diplomatie der Austausch von Ansichten zwischen Menschen und das Abtasten, ob sich eine persönliche Basis finden lässt. Wäre es anders, könnte man sich auf das Zusenden von Schriftsätzen beschränken und Politiker und Diplomaten durch Juristen ersetzen.

Früher musste man auf einen Trauerfall warten

Erst seit es Gipfelformate wie die G 20 und zuvor schon die G 7 gibt – 1975 von Helmut Schmidt und Frankreichs Präsident Valéry Giscard d’Estaing ins Leben gerufen –, müssen Politiker nicht warten, bis einer aus ihren Reihen gestorben ist und sich alle an seinem Sarg treffen. Dort nämlich führte man anschließend jene vertraulichen Gespräche, für die es ohne den Trauerfall keinen Rahmen gegeben hätte. Erstmals beim Staatsbegräbnis für Konrad Adenauer am 25. April 1967 und dann wieder bei der Beerdigung des jugoslawischen Staatschefs Josep Broz Tito am 4. Mai 1980 sprach man deshalb genauso prosaisch wie logisch von einem „Working Funeral“, einem Arbeitsbegräbnis.

Je mehr die Welt miteinander vernetzt ist und die Themen Klima, Energiesicherheit, Migration, Hunger und Terrorismus jede Nation betreffen, desto mehr gewinnen Konferenzformate wie die Davoser Weltwirtschaftsgespräche und die Münchner Sicherheitskonferenz an Gewicht. So hat es Wolfgang Ischinger verstanden, das jährliche Treffen in der bayerischen Landeshauptstadt zu einem Muss auf der internationalen Agenda zu machen.

Die Viadrina-Studentin Hannah Sprute stieß bei Recherchen zu einer Arbeit über Titos Beisetzung auf ein „Spiegel“-Zitat von Helmut Schmidt. Der habe nach der Belgrader Begegnung mit SED-Chef Erich Honecker gesagt: „So ein Begräbnis müsste jedes Jahr sein.“

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