Politik : Putin: Westen setzt Gott und Satan gleich

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Moskau - Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Rolle seiner Regierung im Syrien-Konflikt unterstrichen: Die Erfahrungen der USA hätten gezeigt, dass sich internationale Krisen nicht allein mit Gewalt lösen lassen. Eine Weltordnung mit mehreren Schwerkraftzentren sei daher die ehrgeizigste politische Aufgabe der internationalen Gemeinschaft. Russlands Bedeutung in dieser multipolaren Welt werde ständig zunehmen, sagte Putin vor dem Waldai-Diskussionsforum.

Das Forum gibt es seit zehn Jahren; prominente Experten aus dem In- und Ausland und frühere und amtierende Spitzenpolitiker tauschen sich dort über russische Politik aus. Putin nutzte es teils für eine Generalabrechnung mit westlicher Kritik an Russlands Defiziten in Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Zu Drohungen, die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi wegen seines Homosexuellen-Gesetzes zu boykottieren, sagte Putin, viele euroatlantische Länder hätten sich faktisch von den eigenen Wurzeln, darunter christlichen Werten, losgesagt und damit von der Grundlage der westlichen Zivilisation. Sie betrieben eine „Politik, die eine kinderreiche Familie und eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft, den Glauben an Gott und an Satan gleichsetzt“.

Den eigentlichen Diskussionen am idyllischen Waldai-See in Nordwestrussland, wo sich die elitäre und sehr einflussreiche Runde seit 2004 alljährlich trifft, blieb Putin aber fern. Dabei hatte er eine neue Streitkultur ausdrücklich eingefordert. Liberale müssten endlich lernen, mit Nationalisten oder Linken zu leben und umgekehrt. Gemeint waren vor allem Regimekritiker, die erstmals eingeladen waren. Putin deutete bei dem Treffen auch erstmals eine erneute Kandidatur an. „Ich schließe das nicht aus“, sagte er auf eine Frage nach seinen Absichten für 2018. Putin war bereits von 2000 bis 2008 Staatspräsident. Elke Windisch

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