Politik : Putin will humanitäre Hilfe zulassen - Treffen mit UN-Generalsekretär Annan

Russland will humanitäre Hilfsaktionen im Nordkaukasus unterstützen. Das kündigte der amtierende russische Staatschef Wladimir Putin bei einem Treffen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan am Freitag an, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete. Das erste Zusammentreffen der beiden Männer in Moskau sei "ehrlich und offen" verlaufen, ergänzte der diplomatische Berater des Kreml-Chefs, Sergej Prichodko.

Nach Darstellung Prichodkos lobte Putin den Einsatz der Vereinten Nationen für die über 200 000 nach Inguschetien geflohenen Tschetschenen. Putin habe seinem Gast die "Bestrebungen Russlands zur Wiederherstellung eines friedlichen Lebens für die Bewohner Tschetscheniens und zum Wiederaufbau der Wirtschaft Tschetscheniens dargestellt", so Prichodko weiter.

Annan habe Verständnis für die "Bemühungen Russlands im Kampf gegen den Terrorismus" gezeigt. Er habe aber auf Fragen im Zusammenhang mit der humanitären Situation in der Region aufmerksam gemacht, fügte Prichodko hinzu. Im Kampf um Grosny bombardierte die Luftwaffe nach Angaben der russischen Militäragentur AVN den Vorort Oktjabrskaja. Die russischen Truppen kontrollieren einen Teil des Vorortes. Die tschetschenischen Kämpfer hätten mehrfach vergeblich versucht, den Ring zu durchbrechen, den die Russen um das Stadtviertel gezogen haben.

In Russland wurden am Freitag Sicherheitskräfte wegen einer Anschlagsdrohung des tschetschenischen Partisanenführers Chattab in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Das teilte der Geheimdienst FSB mit, nachdem Chattab im russischen Fernsehsender NTW Terrorangriffe in russisch besetzten tschetschenischen Orten und in Russland angekündigt hatte.

Unterdessen hat Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) am Freitag in Berlin einen Abschiebe- und Entscheidungsstopp für Flüchtlinge und Asylbewerber aus Tschetschenien verhängt. Die Maßnahme sei wegen der Lage in Tschetschenien getroffen worden, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit. Die Anordnung gilt für alle aus Tschetschenien stammenden Flüchtlinge; dazu gehören vor allem Flüchtlinge aus dem ersten Tschetschenienkrieg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben