Politik : Putin will neue Führung in Tschetschenien

Elke Windisch

Moskau - Zwei Berater, der Chef des Sicherheitsrates, der Vizeaußenminister und weitere einflussreiche Beamte aus der Umgebung von Alu Alchanow, dem Präsidenten der russischen Teilrepublik Tschetschenien, sind gestern zurückgetreten. Sein Pressechef hatte bereits vergangene Woche um seine Entlassung gebeten. Beobachter werten die Meldung als sicheres Indiz dafür, dass auch Alchanow in nächster Zeit sein Amt verliert.

Seit 2005 werden die bis dato frei gewählten Verwaltungschefs der russischen Regionen von Putin ernannt. Der 2004 gewählte Alchanow aber galt stets nur als Interimslösung. Der Kreml favorisierte von Anbeginn an den inzwischen zum Regierungschef aufgestiegenen Ramsan Kadyrow. Dessen Vater Ahmed war von Putin im Juni 2000 zum provisorischen Verwaltungschef der kriegszerstörten Rebellenrepublik ernannt worden. 2003 zum Präsidenten gewählt, starb er 2005 bei einem Attentat.

Nominell konnte Sohn Ramsan, damals 27, die Nachfolge seines Vaters nicht antreten. Laut tschetschenischer Verfassung muss der Präsident mindestens 30 sein. Moskau sieht in Kadyrow jr. jedoch das eigentliche Machtzentrum der Republik, über strategische Entscheidungen verhandelt der Kreml nicht mit Präsident Alchanow, sondern mit Premier Ramsan Kadyrow.

Ramsan wurde im letzten Oktober 30 und kann daher zum Präsidenten ernannt werden. Für ihn spricht aus Sicht Moskaus vor allem die Kapitulation hochrangiger Separatisten und ihrer Milizen. Kadyrow jr. machte außerdem Tempo beim Wiederaufbau der verheerten Hauptstadt Grosny. Die Bevölkerung dagegen fürchtet die Willkür seiner Leibwache.

Obwohl Moskau offiziell behauptet, die abtrünnige Kaukasusrepublik Tschetschenien inzwischen unter Kontrolle zu haben, sterben noch immer Soldaten und die im Untergrund operierenden Rebellen in Kämpfen. Erst vor vier Tagen gab es bei Gefechten wieder elf Tote. Menschenrechtsorganisationen prangern weiterhin Folter, willkürliche Verhaftungen und andere Übergriffe an, mit denen die Zivilbevölkerung drangsaliert wird. Außerdem greift der Konflikt zusehends auf alle nordkaukasischen Nachbarregionen Tschetscheniens über. Russland hat seit 1994 zwei Kriege in Tschetschenien geführt.

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