Politik : Putins Sorgen: Bei NMD-Verzicht Nato-Erweiterung für Russland annehmbar?

Elke Windisch

Die zweite Nato-Osterweiterung und das in den USA geplante Raketenabwehrsystem NMD bereiten Moskau die größten Sorgen. Das sagte am Dienstag der russiche Staatspräsident Wladimir Putin in einer Unterredung mit Nato-Generalsekretär George Roberston, der sich seit Montag zu einem dreitägigen Besuch in Moskau aufhält. Er hoffe, so Putin, dass das westliche Bündnis sich rasch mit den Vorschlägen für ein europäisches Raketenabewehrsystem vertraut mache, die Verteidigungsminister Igor Sergejew kurz zuvor Robertson offiziell übergeben hatte. Moskau sei zudem bereit, die europäischen Nato-Staaten an dem neuen russisch-amerikanischem Zentrum zu beteiligen, das Informationen über Raketenstarts koordinieren soll. Über dessen Einrichtung hatten sich Putin und der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton im vorigen Mai geeinigt.

Die von Sergejew überreichten Vorschläge, so der für internationale Militärkooperation zuständige Abteilungsleiter im russischen Verteidigungsministerium, Leonid Iwaschow, würden Moskaus Vorstellungen eines europäischen Verteidigungssystems konkretisieren, wofür Putin schon im vorigen Jahr mehrere Staatschefs Westeuropas erfolglos zu gewinnen versuchte. Dabei handelt es sich aber um die Abwehr von Kurz- und Mittelstreckenwaffen der so genannten Schurkenstaaten, an denen die USA, die eher Angriffe durch Interkontinentalraketen befürchten, kein Interesse zeigen.

Die künftigen Beziehungen Russlands zur Nato hängen nach Ansicht der Zeitung "Kommersant" vor allem davon ab, ob die Allianz Moskau zu einer gemäßigten Reaktion auf die zweite Beitrittswelle bewegen kann. Um die Aufnahme bemühen sich immerhin vier Ex-Sowjetrepubliken: Für 2002 Litauen, Lettland und Estland. Georgien will 2005 anklopfen. Verhindern, so "Kommersant", könne den Eklat nur ein Verzicht der USA auf die NMD-Pläne.

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