Politik : Putins Staatsbesuch: Dresdner Legende

Ralf Hübner

Es sei für ihn eine Art Rückkehr nach Hause, sagt der russische Präsident Wladimir Putin beim Empfang im Glockenspielpavillon des Dresdner Zwingers, schließlich habe er ja fünf Jahre in Dresden gelebt und gearbeitet. Das ist mehr als zehn Jahre her. Doch Wolodja, wie er seinerzeit angeblich gerufen wurde, scheint sich bei seinem Auftrag in geheimer Mission so wohl gefühlt zu haben, dass er Dresden unbedingt wiedersehen wollte. Putin muss ein guter KGB-Agent gewesen sein, in seiner Unauffälligkeit hat er kaum Spuren hinterlassen, allenfalls Legenden. Genaues weiß niemand. Nicht einmal der ehemalige SED-Bezirkschef Hans Modrow (PDS) kann sich angeblich an ihn erinnern.

Ihre Wohnung hatten die Putins damals in einer Plattenbausiedlung im Dresdner Norden. Mit ihrer Nachbarin müssen sie sich gut verstanden haben, denn obgleich bei der Dresden-Visite des Präsidenten eigentlich keine Treffen mit alten Bekannten vorgesehen waren, löst Putin mit seinem spontanen Wunsch, jene Nachbarin sehen zu wollen, bei den sächsischen Protokollbeamten hektische Betriebsamkeit aus. Die Suche nach der Frau sei von Erfolg gekrönt gewesen, hieß es später.

Der kleine KGB-Agent von einst ist als Staatspräsident zurückgekehrt. Ungezwungen plaudernd marschierte er mit Sachsens Ministerpräsident in den Zwinger, in die Gemäldegalerie Alte Meister, wo er mit großzügiger Geste drei verschollen geglaubte Gemälde zurückgab. Dabei ist das eigentlich weniger ein Geschenk Putins als vielmehr des Moskauer Bauunternehmers Timur Timberlatow, der die Bilder auf dem Moskauer Kunstmarkt aufgetrieben haben will. Wie genau sich das zugetragen hat, darüber schweigt Timberlatow. Er sagt nur, er sei überzeugt, dass noch viele der 450 verschollenen Dresdner Gemälde in irgendwelchen Unternehmen oder in Privatsammlungen hingen.

Am Mittag nimmt das Ehepaar Schröder die Putins im Hotel Kempinski in Empfang, um gemeinsam ein Glas Radeberger Bier zu trinken und eine Dampferfahrt auf der Elbe zu unternehmen, im engsten Kreis, wie es heißt. Der Präsident sei schließlich privat in Dresden.

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