Putsch in Zentralafrika : Rebellenchef erklärt sich zum Staatschef

Seit über 50 Jahren leidet Zentralafrika unter Staatsstreichen und politischen Unruhen. Am Sonntag haben Rebellen die Hauptstadt samt Präsidentenpalast erobert. Das Staatsoberhaupt ist auf der Flucht.

Nach monatelangem Konflikt mit der Regierung haben Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik am Sonntag den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Bangui eingenommen.
Nach monatelangem Konflikt mit der Regierung haben Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik am Sonntag den Präsidentenpalast...Foto: AFP

Nach monatelangem Konflikt mit der Regierung haben Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik am Sonntag den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Bangui eingenommen. Staatsoberhaupt François Bozizé sei auf der Flucht und soll Zuflucht im Nachbarland Kongo gesucht haben, zitierte der arabische Sender Al-Dschasira einen Milizensprecher. Ein Regierungssprecher bestätigte die Angaben: „Die Rebellen kontrollieren die Stadt“, sagte er. Auch das französische Außenministerium nannte die Flucht Bozizés „sicher erwiesen“. Der Anführer der Rebellen hat sich selbst zum neuen Präsidenten des Landes ernannt. Michel Djotodia erklärte nach Angaben des französischen Senders RFI, er wolle innerhalb von drei Jahren demokratische Wahlen ausrichten und den gebeutelten Staat zum Frieden führen.

Die Seleka-Rebellen sollen auch die nationalen Fernseh- und Radiostationen erobert haben. Ihr Anführer wollte von dort aus offenbar eine Rede an das Volk richten. Die Gruppe wirft Bozizé vor, eine erst im Januar getroffene Friedensvereinbarung nicht einzuhalten.

Angesichts der sich zuspitzenden Lage hatte die frühere Kolonialmacht Frankreich schon am Samstag eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Paris hat in dem Land derzeit 250 Soldaten stationiert. Unbestätigten Berichten zufolge wurden weitere 150 Mann entsandt, um den Flughafen von Bangui zu sichern. Der Airport ist strategisch wichtig, um die in Zentralafrika lebenden Franzosen in Sicherheit zu bringen.
Schon am Freitag hatte das Außenministerium in Paris alle Landsleute in Zentralafrika aufgerufen, möglichst nicht mehr aus dem Haus zu gehen. In dem krisengeschüttelten Staat leben heute noch etwa 1200 Franzosen, die meisten davon in Bangui. Außenminister Laurent Fabius rief sie am Sonntag erneut zu höchster Vorsicht auf. Die Sicherheitsmaßnahmen seien verstärkt worden.

Die Lage ist seit Monaten gespannt. Bereits im Dezember hatten die Seleka-Rebellen wichtige Städte eingenommen und waren auf dem Weg nach Bangui. Frankreich, die USA und die Zentralafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft schickten daraufhin Truppen in das Krisenland. Nach Friedensgesprächen in Gabun hatten sich die Rebellen zunächst damit einverstanden erklärt, dass Bozizé bis 2016 im Amt bleibt.

Anfang Februar wurde eine Allparteienregierung gebildet, in der Rebellen und Oppositionspolitiker wichtige Posten bekamen. Der Deal sah auch vor, Seleka-Kämpfer in die Armee zu integrieren. Die Miliz wirft Bozizé vor, dieses Versprechen nicht eingehalten zu haben.

Die Zentralafrikanische Republik war 1960 unabhängig geworden. Das Land, das an andere Krisenstaaten wie den Kongo und den Sudan grenzt, ist seit Jahrzehnten von politischer Instabilität geprägt. Trotz reicher Rohstoffvorkommen an Diamanten, Gold und Uran gehört es nach wie vor zu den ärmsten Staaten der Erde.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, hat die Machtübernahme durch Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik verurteilt. Ban forderte die Aufständischen auf, umgehend die verfassungsgemäße Ordnung wiederherzustellen, sagte ein Sprecher des UN-Generalsekretärs am Sonntag (Ortszeit) in New York. Ban sei „zutiefst besorgt“ über Berichte über andauernde Gewalt und Plünderungen in der Hauptstadt Bangui, von denen auch die UNO betroffen sei, sowie über die allgemeine humanitäre Lage in dem Land.

Ban forderte, den im Januar in Libreville in Gabun geschlossenen Friedensvertrag zu respektieren. Dies sei der „zuverlässigste Rahmen für dauerhaften Frieden und Stabilität in dem Land“. Das Abkommen sah unter anderem die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit und freie Wahlen innerhalb von drei Jahren vor.

Rebellenchef Michel Djotodia hatte am Sonntag dem Sender Radio France Internationale gesagt, die Aufständischen würden die Vorgaben des Friedensvertrages umsetzen. (dpa, AFP)

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