Putsch : Militärjunta übernimmt Macht in Mauretanien

Mit einem anscheinend unblutigen Putsch haben Offiziere in Mauretanien die Macht an sich gerissen und den Präsidenten Maouia Ould Taya gestürzt.

Nouakchott (03.08.2005, 18:01 Uhr) - Die Putschisten übernahmen am Mittwoch die Kontrolle über die Hauptstadt Nouakchott und erklärten den Präsidenten für abgesetzt, der das westafrikanische Land seit über 20 Jahren regiert hatte. In einer Erklärung kündigten sie an, eine Militärjunta werde für eine Übergangszeit von zwei Jahren die Geschicke des Landes bestimmen.

Für den Umsturz nutzten die Militärs eine Auslandsreise von Ould Taya aus, der sich zur Zeit des Putsches zu einem Kondolenzbesuch in Saudi-Arabien aufgehalten hielt. Der Präsident konnte am Mittwoch nicht wie geplant nach Nouakchott zurückkehren. Er flog stattdessen nach Angaben des arabischen Senders Al-Arabija nach Niamey im Sahara- Staat Niger.

«Die Armee und die Sicherheitskräfte sind übereingekommen, den totalitären Praktiken des abgesetzten Regimes ein Ende zu setzen», hieß es in der von der nationalen Nachrichtenagentur verbreiteten Erklärung der Putschisten. Die Militärs versprachen, in zwei Jahren ein demokratisches System in dem dünn besiedelten Wüstenstaat einzurichten.

Mauretanien war unter Ould Taya ein enger Verbündeter der USA gewesen. Mit seiner prowestlichen Politik hatte der Präsident sich unter den Islamisten in dem muslimischen Land viele Feinde gemacht. Mauretanien gehört zu den wenigen Staaten der arabischen Welt, die diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten.

Die Putschisten und der von ihnen eingesetzte «Militärrat» wurden nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira vom Chef der Präsidentengarde, Mohammed Weld Abdel Aziz, angeführt. Schwerbewaffnete Militärs hatten am Morgen unter der Führung der Präsidentengarde den Amtssitz des Staatschefs, das Hauptquartier der Streitkräfte und das Gebäude des Rundfunks besetzt.

Soldaten bezogen an strategischen Stellen mit Artilleriegeschützen und Luftabwehrraketen Position. Zeitweise waren Schüsse zu hören. Der Flughafen wurde geschlossen, der Rundfunk stellte seine Sendungen ein. Das Staatsfernsehen zeigte lediglich Koransuren. Büros, Banken und Geschäfte blieben geschlossen.

Ould Taya war 1984 mit einem Putsch an die Macht gekommen und drei Mal bei Wahlen im Amt bestätigt worden. Vor zwei Jahren hatte er einen Putschversuch mit knapper Mühe niederschlagen können. 2004 überstand seine Regierung zwei weitere Umsturzversuche. Das überwiegend aus Wüste bestehende Land am Westrand der Sahara hat rund drei Millionen Einwohner und kämpft derzeit mit einer Hungersnot. (tso)

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