PUTSCHVERDACHT GEGEN MILITÄRS : Codename „Blondes Mädchen“

Nur zehn Monate nach dem Wahlsieg der angeblichen Islamisten unter Recep Tayyip Erdogan hatten einige Militärs in der Türkei offenbar schon die Nase voll von der neuen Regierung. Im September 2003 trafen sich laut Staatsanwaltschaft vier Mitglieder des Generalstabs, reichten sich die Hände und schworen sich, Erdogan zu stürzen. „Es sieht schlecht aus für das Land“, notierte einer von ihnen in seinem Tagebuch. „Jemand muss einschreiten, sondern werden wir bald sein wie der Iran.“ Sechs Jahre später müssen nun Tagebuchschreiber Özden Örnek, der frühere Chef der türkischen Marine, und zwei andere Exmitglieder des Generalstabs bei der zivilen Staatsanwaltschaft aussagen. Es geht um den Vorwurf, sie seien zwischen 2003 und 2005 in Putschpläne gegen die Regierung verwickelt gewesen. Ein vierter Verdächtiger steht bereits vor Gericht. Mit dem Verhör in den kommenden Tagen erreichen die Ermittlungen gegen mutmaßliche Putschisten die Spitze der türkischen Militärhierarchie – Männer, die noch vor kurzem als unantastbar galten. Von drei verschiedenen Umsturzplänen ist die Rede, die mit den Codenamen „Mondlicht“, „Blondes Mädchen“ und „Handschuh“ versehen wurden. Die Istanbuler Staatsanwälte ermitteln seit mehr als zwei Jahren gegen den Geheimbund Ergenekon, der unter Führung von aktiven und pensionierten Militärs den Sturz der Regierung geplant haben soll. Einer der Hauptangeklagten im laufenden Ergenekon-Prozess ist Exgeneral Sener Eruygur, der frühere Chef der Gendarmerie. Laut Tagebuch bildete Eruygur zusammen mit Örnek, dem damaligen Luftwaffenchef Ibrahim Firtina und Heereskommandeur Aytac Yalman das Verschwörer-Kleeblatt im Generalstab. Firtina und Yalman müssen nun mit Örnek zum Verhör antreten. Ihnen könnte anschließend ein Prozess drohen. sei

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