Quadriga-Preis-Diskussion : Ist Jury-Rückzieher ein Affront gegen Putin?

Erst sollte Wladimir Putin den Preis kriegen, dann nicht, nun bekommt ihn niemand. Nach der Absage der Quadriga-Verleihung geht es um das deutsch-russische Verhältnis.

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Russlands Premier sollte für seine „Verdienste für die Verlässlichkeit und Stabilität der deutsch-russischen Beziehungen“ gewürdigt werden. Daraus wird nun nichts.
Russlands Premier sollte für seine „Verdienste für die Verlässlichkeit und Stabilität der deutsch-russischen Beziehungen“...Foto: AFP

Ist das nun der ultimative Affront? Der diplomatisch-politische Gau im deutsch- russischen Verhältnis? Oder wurde Schlimmeres verhindert? Eine Woche lang hagelte es hierzulande Kritik an der geplanten Vergabe des Quadriga-Preises an Ex-Kremlchef Wladimir Putin. Nun wurde die Preisverleihung abgesagt – kurz vor den deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Hannover.

Für Ruprecht Polenz, den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, wurde mit der Entscheidung vom Samstag „größerer Schaden“ abgewendet. „Ich halte es für klug vom Kuratorium, nicht mit dem Kopf durch die Wand zu wollen“, sagte der CDU-Politiker dem Tagesspiegel. Polenz hielt die ursprüngliche Absicht, Putin auszuzeichnen, „für keine gute Idee“. Wer in einer Sackgasse unterwegs sei, tue nicht gut daran stur weiter zu gehen, sagte er, deshalb begrüße er den gestrigen Schritt. Irritationen im russisch-deutschen Verhältnis erwarte er, abseits des ohnehin bereits eingetretenen und „vom Kuratorium zu verantwortenden Schadens“ nicht. Schließlich werde die deutsche Kritik an den mangelhaften rechtsstaatlichen Verhältnissen in Russland bei allen bilateralen Regierungskonsultationen zur Sprache gebracht, ohne dass das gute Verhältnis der beiden Länder bisher darunter gelitten habe.

Der langjährige russische Botschafter Vladimir Kotenev wollte die Aussetzung nicht kommentieren. Das sei eine innerdeutsche Angelegenheit, sagte er auf Anfrage. Der in Russland geschäftlich engagierte Bonner Pharmaunternehmer Diethelm Doll, sagte, dass sich die Aussetzung der Preisverleihung schädigend auf das Verhältnis beider Länder auswirken könnte: „Jede Absage ist eine Enttäuschung.“ Wenn man so etwas plane, müsse unbedingt vorher abgeklärt werden, ob es auch durchführbar sei. „Ein solcher Eklat wird Folgen haben. Ob das überhaupt noch mal durchzuführen sein wird, das ist jetzt die Frage.“ Der Aachener Gebäck-Unternehmer Hermann Bühlbecker, der bei früheren Verleihungen zu den Sponsoren der Quadriga zählte, bedauerte den Ausfall der Veranstaltung. Die Art der Diskussion sei freilich nicht förderlich gewesen. Das Thema hätte aus seiner Sicht ganz anders aufbereitet werden müssen. Unabhängig davon, wer zur falschen Zeit das Falsche getan habe, sei die Preisverleihung aber konstruktiv und positiv und lenke auf die richtigen Themen. Insofern sei es schade, das sie in diesem Jahr nicht stattfinde.

Lesen Sie mehr im zweiten Teil.

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