Qualität : Pflegeheime sollen mit Schulnoten bewertet werden

Die Lage in Deutschlands Pflegeheimen ist teilweise katastrophal. Um auf diesem Feld mehr Transparenz zu schaffen, werden in Zukunft alle Einrichtungen getestet und mit Schulnoten bewertet.

BerlinIm Kampf gegen Pflege-Missstände sollen künftig alle rund 10.000 Pflegeheime in Deutschland mit Schulnoten von "sehr gut" bis "mangelhaft" bewertet werden. "Da wo Mängel sind, müssen sie beseitigt werden", sagte der Geschäftsführer des Medizinischen Diensts des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS), Peter Pick, am Montag in Berlin. Zuletzt hatten MDS-Prüfer bei jedem zehnten Heimbewohner einen unzureichenden Pflegezustand festgestellt. Gravierende Defizite würden nun weiter zurückgehen, zeigte sich Pick sicher.

Im Mai sollen die neu ausgerichteten Prüfungen starten, wie Pick sagte. Im Spätsommer 2009 sollen die ersten Ergebnisse im Internet veröffentlicht werden. Bis 2011 sollen alle Heime unabhängig geprüft und benotet sein. Für jedes Bundesland soll dann im Internet eine Auflistung sämtlicher Heime mit je einer Gesamtnote zu finden sein.

Gute Einrichtungen können mit guten Noten werben

Dazu kommen Einzelnoten für Pflegequalität und medizinische Versorgung, den Umgang mit Demenzkranken, für die Betreuung sowie für Verpflegung und Hygiene. Ergänzend würden die Ergebnisse von Bewohner-Befragungen veröffentlicht.

Mit der Veröffentlichung der Pflegequalität setzen die Kassen einen Kernpunkt der jüngsten Pflegereform um. Gute Einrichtungen könnten dann mit ihren Ergebnissen werben, schlechte kämen unter Druck, sagte Dieter Voß vom Vorstand des Spitzenverbands der Krankenkassen. Es würden nicht nur gute Noten verteilt, versicherte Voß. Rund die Hälfte der 64 Einzelkriterien bei der Benotung bezögen sich auf Pflege und Medizin. Druckgeschwüre, Sturzgefahr, die Versorgung mit Essen und Trinken und ein eingehender Umgang mit Dementen zähle zu den Hauptpunkten.

Eine offizielle Prüfung kostet nach Angaben Picks im Schnitt rund 4500 Euro und erfordert die Begutachtung der Behandlung von rund zehn Bewohnern. Persönliche Einschätzung der Betroffenen sollten in Einzelgesprächen ohne Kontrolle durch die Heimleitung erfragt werden. (ut/dpa)

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