Politik : Radar-Debatte: Streit um Strahlenschäden

Claudia Lepping

Im Verteidigungsausschuss des Bundestages bahnt sich ein Streit um den Umgang mit möglicherweise durch Röntgenstrahlung erkrankten Radartechnikern der Bundeswehr an. Nach einem ersten öffentlichen Austausch zwischen Betroffenen und Delegierten des Ausschusses am Freitag unter der Regie der Berliner Wissenschaftler-Organisation medicine-worldwide sagte die CDU-Abgeordnete Ursula Lietz: "Es ist zynisch, dass heute jeder krebskranke Techniker, der zwischen 1958 und den 70er Jahren an Bundeswehr-Radaranlagen gearbeitet hat, seine Strahlendosis beweisen muss." Kaum einer der Betroffenen habe präzise Angaben über seine frühere Strahlenbelastung.

Die Umkehr der Beweislast zur Prüfung möglicher Renten- und Ersatzansprüche, die auch die kranken Techniker fordern, lehnte der Vize-Vorsitzende des Verteidigungsausschusses jedoch ab. Thomas Kossendey sagte dem Tagesspiegel: "Dieses große Fass können wir nicht aufmachen, denn es ist rechtlich unmöglich, die Beweislastumkehr lediglich auf Radartechniker einzugrenzen."

Kossendey plädiert für die Einteilung in Fallgruppen: "Wir müssen großzügig prüfen, wer an welchem Ort, in welchem Alter, in welcher Schwere erkrankt ist." Strahlenexperten gehen inzwischen von 200 Fällen aus, von denen mehr als 50 verstorben und 140 an Krebs erkrankt sind. "Das ist nur die Spitze des Eisbergs", sagt Ursula Lietz: "Im Ausschuss haben wir zu diesem Thema nur Antworten bekommen, die nicht befriedigen."

Das Bundesverteidigungsministerium will alle bekannten Fälle neu prüfen und beurteilen. Die Betroffenen, über deren Einzelfälle der Tagesspiegel berichtet hatte, verlangen angemessene Entschädigung und, so ihr Sprecher Peter Rasch, "ein würdiges Verfahren ohne Verschleierung und Verzögerung". Ursula Lietz deutete zudem Fälle an, in denen Familien von asbestkranken Bundeswehrangehörigen unter Druck gesetzt worden seien, zu schweigen.

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