Politik : Radioaktive Abfälle: Betrug mit Atommüll aufgedeckt

Ein Betrug bei der Entsorgung von radioaktiven Abfällen ist in Schleswig-Holstein aufgedeckt worden. Bei der Überprüfung von 28 als "schwach radioaktiv" deklarierten Fässern aus der Zeit vor 1980 hätten Mitarbeiter der Landessammelstelle für Atom-Abfälle in Geesthacht zum Teil starke Strahlung festgestellt. Das teilten die Gesundheitsministerin des Landes, Heide Moser (SPD), und Energiestaatssekretär Wilfried Voigt (Grüne) am Donnerstag in Kiel mit.

Mindestens 16 volle 200-Liter-Stahlfässer waren von einem Braunschweiger Unternehmen vor 20 Jahren als "schwach radioaktiv" deklariert und in der Sammelstelle eingelagert worden. Jetzt stellten Experten fest, dass es sich um professionell verpackten, stark strahlenden Abfall handelt, wie es hieß. In einem Fass sei unter Bleiplatten ein Flüssigkeitsbehälter entdeckt worden, dessen Strahlung den zulässigen Grenzwert um das 3000-fache überschreite. Seit Mitte September wurden 28 der insgesamt 155 eingelagerten Fässer geöffnet, um den Inhalt umzufüllen. Nur zwei waren den Angaben gemäß gefüllt.

Bei zehn Fässern gab es geringe Abweichungen, bei den 16 Fässern, die im November geöffnet wurden, "lag ein gezielter Verstoß gegen die Annahmebedingungen der Landessammelstelle vor", erklärte ein Sprecher des GKSS-Forschungszentrums. "Der Inhalt eines Fasses strahlt so stark, dass er auf 100 Fässer verteilt werden müsste", sagte der Sprecher. Die Fässer sollten angeblich mit Papieren und Geräten aus Schulen oder Kliniken gefüllt sein. Die Flüssigkeiten waren bis zum Nachmittag noch nicht identifiziert. Es sei Anzeige gegen Unbekannt erstattet worden, sagte der Geschäftsführer der GKSS- Forschungsstelle. Die Abkürzung "GKSS" stammt aus der Gründerzeit des Zentrums vor fast 40 Jahren und steht für "Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt". Als das GKSS vor 25 Jahren umfirmiert wurde, blieb der Name erhalten.

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