Politik : Radioaktive Partikel in Wohngebiet in Hessen gefunden Atomkritiker entdecken

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Wiesbaden/Berlin (csl/deh). Der Gutachter der „Ärzte gegen den Atomkrieg“ (IPPNW), Heinz Werner Gabriel, hatte vor einem Jahr in der Umgebung der ehemaligen Hanauer Nuklearfabrik Nukem radioaktiv belastete Kügelchen gefunden und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Wie deren Sprecher, Jost-Dietrich Ort, dem Tagesspiegel bestätigte, beauftragte die Behörde Experten des Landeskriminalamts, Bodenproben zu nehmen. Dabei seien in der Umgebung von Nukem, im fabriknahen Forst Bulau, tatsächlich Kügelchen gefunden worden, die den dringenden Verdacht einer nuklearen Bodenverunreinigung ergeben hätten.

Während der Strahlenbiologe Frederick Stevenson im SWR-Magazin „Report Mainz“auf Grund eigener Untersuchungen die Kügelchen als gefährlich und bei Aufnahme in den Körper als „extrem toxisch“ bezeichnet hat, wartet die Staatsanwaltschaft mit ihrer Bewertung auf die Einschätzung unabhängiger Gutachter. Da kein Strahlenrisiko bestehe und erst die Aufnahme der Kügelchen möglicherweise gesundheitsgefährdend sei, sehe die Staatsanwaltschaft vor Ort bislang keinen Handlungsbedarf, erklärte Ort. Die Einschätzung der Risiken sei Aufgabe der Landesregierung. Die Kügelchen sollen Kernbrennstoffe für Hochtemperaturreaktoren sein, die Nukem für den nunmehr stillgelegten Forschungsreaktor in Jülich produziert habe. Nukem bestätigte Report die Produktion des Brennstoffs, bestritt jedoch eine Freisetzung der Kügelchen. SPD und Grüne im hessischen Landtag forderten am Montag von Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) umgehende Aufklärung. Bereits am Mittwoch wird sich der Umweltausschuss des Landtags mit den Vorgängen befassen.

In Berlin erhoben derweil die „Ärzte gegen den Atomkrieg“ erneut Vorwürfe gegen das Energieministerium in Schleswig-Holstein. In der Umgebung von Geesthacht, nahe dem Atomkraftwerk Krümmel, habe IPPNW-Gutachter Gabriel vor mehr als einem Jahr ähnliche, radioaktive Kügelchen gefunden. Herbert Schnelle, Sprecher des Ministeriums für Finanzen und Energie in Kiel, sagt jedoch: „Diese Kügelchen gibt es nicht.“ Ende des vergangenen Jahres habe sein Ministerium die Untersuchungen abgeschlossen. Fünf unterschiedliche Gutachten, die zum Teil ihre Proben im Beisein Gabriels genommen hatten, konnten keine radioaktiven Partikel nachweisen. In zwei Fällen wurden zwar Kügelchen gefunden, es handelte sich jedoch um Samen oder Schneckenschalen. Heinz Werner Gabriel habe dieselben Vorwürfe schon einmal vor mehr als einem Jahr erhoben, sei den Beweis jedoch bis heute schuldig geblieben, sagte Schnelle dem Tagesspiegel.

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