Politik : Radioaktives Material unter dem Sitz eines Taxis

Im Südosten der Türkei fasst die Polizei Schmuggler mit Uran

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Von Susanne Güsten, Istanbul

Auf heißer Ware saßen die beiden Schmuggler, die von den türkischen Sicherheitsbehörden im Dreiländereck mit Syrien und dem Irak gestoppt wurden: Einen Bleibehälter mit angeblich atomwaffenfähigem Uran hatten sie unter dem Sitz ihres Taxis versteckt. Die Behörden prüfen nun, ob das Material ins Nachbarland Irak gebracht werden sollte, dessen vermutete Bemühungen um eine Atombombe die ganze Welt beunruhigen. Wahrscheinlicher ist angesichts der Umstände allerdings, dass das Uran auf dem Weg zum Schwarzmarkt in Istanbul war, auf dem in jüngster Zeit immer wieder atomwaffenfähiges Material aus Osteuropa angeboten wurde. Dennoch zeigt der Fund unweit der irakischen Grenze, wie leicht das Material auch von Bagdad zu beschaffen sein dürfte.

Das Taxi wurde in der Provinz Sanliurfa nahe der syrischen Grenze gestoppt. Wenn die Schmuggler tatsächlich aus Georgien kamen, wie die Polizei aufgrund früherer Erfahrungen vermutet, dann hatten sie die Grenze zum Irak und den einzigen Grenzübergang bereits weit hinter sich gelassen. Zudem fuhren sie in westliche Richtung, als sie gestoppt wurden, und bewegten sich damit vom Irak weg. Bei den beiden festgenommenen Männern handelt es sich um türkische Staatsbürger. Vermutlich wollten sie in Istanbul den Schwarzmarkt-Wert ihres Materials kassieren. Der 15,7 Kilogramm schwere Bleibehälter enthielt lediglich 100 Gramm Uran.

Dennoch wirft der Fund ein beunruhigendes Licht auf den Handel mit Uran. Die britische Regierung hatte in ihrem Dossier über die irakische Bedrohung in der vergangenen Woche betont, dass Saddam Hussein in ein bis zwei Jahren über Atomwaffen verfügen werde, wenn er nur das notwendige Uran auftreiben könne. Ob atomwaffenfähiges Material aus der Ex-Sowjetunion nun von Georgien über die Türkei direkt in den Irak gelangt oder über Zwischenhändler in Istanbul, ist dabei im Grunde unerheblich.

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