Politik : Rächer der Entlaubten

Umweltschutzorganisation Robin Wood wird 30.

von

Göttingen - Ein kleine Gruppe Umweltschützer trat am 12. November 1982 an, um als „Rächer der Entlaubten“ gegen das Baumsterben zu kämpfen. Aktivisten aus Bremen und Hamburg gründeten den Verein „Robin Wood – Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt“. Aus dem einstmals aktionistischen Haufen ist längst eine professionelle Umweltschutzorganisation mit bundesweiter Zentrale, bezahlten Referenten und eigener Zeitung geworden.

Waldsterben und saurer Regen waren 1982 in der Bundesrepublik das große Umweltthema. Auch viele Aktivisten des zwei Jahre vorher gegründeten bundesdeutschen Greenpeace-Ablegers juckte es in den Füßen, Kohlekraftwerken und anderen Schwefelschleudern auf den Schornstein zu steigen. Doch die internationale Führung bremste den Elan der Basis. Der Chefetage erschienen tote Bäume im Harz und Schwarzwald als zu regionales Problem und für eine globale Kampagne deshalb nicht geeignet. Teile der Greenpeace-Basis rebellierten – und gründeten Robin Wood.

Aus der Widerstandsbewegung gegen Atomkraft ist Robin Wood schwer wegzudenken. Bei den Kampagnen für einen Wechsel zu Ökostromanbietern macht die Organisation ebenso mit wie beim Protest gegen Castortransporte nach Gorleben. Immer wieder setzten, stellten oder hängten sich Robin-Wood-Leute den Atommüllzügen mit teils spektakulären Aktionen in den Weg. Weltweites Aufsehen erregte Robin Wood mit einer 17-stündigen Blockade des Castorzuges im März 2001. Festgekettet an einen unter dem Gleis liegenden Betonblock, trotzten die „Fünf von Süschendorf“ auch schwerstem Gerät. Zum ersten Mal musste der Zug sogar rückwärts rollen. Inhaltlich zeigt sich die Organisation kompromisslos. Während Greenpeace an Szenarien für die schrittweise Abschaltung der Akw mitbastelte, bestand Robin Wood „mit allem Nachdruck“ auf einem Sofortausstieg.

Mit einer Mischung aus Stolz und Tatendurst blicken die Mitglieder auf das 30-jährige Bestehen zurück. „Ein Verein, der so strukturiert ist wie Robin Wood, und es 30 Jahre lang schafft, den Kampf nicht aufzugeben, weder gegen Umweltprobleme noch bei internen Schwierigkeiten, der hat wahre Ausdauer bewiesen“, lautet das Fazit der Vereinsmitgründer Klaus und Anne Scheerer aus Hamburg. „Robin Wood verbindet ökologische Inhalte mit weitgehend egalitären und partizipativen Strukturen“, analysiert der Berliner Soziologe und Protestforscher Dieter Rucht.

Heute spielt das Waldsterben in der Diskussion keine große Rolle mehr. Zu Unrecht findet Robin Wood. Denn obwohl Kraftwerke und Autos entschwefelt wurden, geht es den Bäumen weiter schlecht. Robin Wood berät deshalb jedes Jahr in der Adventszeit Interessierte beim Kauf von zertifizierten Ökoweihnachtsbäumen. Und weil Klimaschutz „längst auch Waldschutz“ bedeute, kämpft Robin Wood auch gegen die Abholzung der Tropenwälder in Asien und den Kahlschlag in finnischen Urwäldern. Reimar Paul

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben