Rätsel um Frachter : "Arctic Sea" soll Waffen geschmuggelt haben

Der russische Geheimdienst vermutet EU-Staaten als Drahtzieher eines Überfalls auf den Frachter. Sie sollen Seeräuber beauftragt haben, Waffen zu erbeuten.

Der Fall des lange verschwundenen und dann von der russischen Marine wieder aufgebrachten Frachters Arctic Sea wird immer mysteriöser. Nach Informationen der Moskowski Komsomolez hatte das angeblich mit Holz beladene Schiff sehr wohl Waffen an Bord. Und zwar solche mit "unbekannter Herkunft und unklarem Ziel". Die Zeitung beruft sich dabei auf russische Geheimdienstquellen.

Die Geheimen gehen in ihren Verdächtigungen noch einen Schritt weiter. Demnach sind die inzwischen gefassten acht mutmaßlichen "Ostsee-Piraten" vorbestrafte Kriminelle und wurden vom Geheimdienst eines EU-Landes angeheuert. Dies habe sich für die geschmuggelten Waffen interessiert.

Schon seit längerem hatten Militärexperten den Verdacht geäußert, dass an Bord des Frachters auch Waffen – vermutlich Marschflugkörper aus Sowjetzeiten – geschmuggelt worden sind. Grund für ihre Mutmaßungen ist der immense militärische und geheimdienstliche Aufwand ob des Wiederauffindens der Mitte Juli verschwundenen Arctic Sea. Rund 20 Geheimdiensten, darunter nach Informationen der Moskowski Komsomolez auch der russische Militärgeheimdienst sowie die Nato waren an der Suche beteiligt. Moskau hatte zudem mehrere Kriegsschiffe in Bewegung gesetzt, um die 15 russischen Seeleute aus der Gewalt der Entführer zu befreien.

Der Kreml hatte den Verdacht des Schmuggels stets zurückgewiesen, Moskaus Nato-Botschafter Dmitrij Rogosin hatte aber in Brüssel betont, dass er nur für sein Land spreche könne. "Russland selbst hat keine Waffen auf der Arctic Sea transportiert", sagte er. "Sollten aber die Finnen noch Flügelraketen zu dem Holz dazugeladen haben, dann wäre das ihre Sache". 

Der Frachter selbst – an Bord befinden sich der Kapitän sowie drei weitere Crew-Mitglieder – wird derzeit im Schlepptau der russischen Marine in den Schwarzmeerhafen Noworossijsk gezogen. Dort soll das knapp 100 Meter lange Schiff näher untersucht werden.

In der russischen Hauptstadt werden derzeit elf Seeleute der Arctic Sea vom Inlandsgeheimdienst FSB verhört. Die Ermittler prüfen, ob es unter ihnen Komplizen der Piraten gegeben hat. Die Familien fordern die Freilassung der Seeleute. Die mutmaßlichen Seeräuber kündigten an, gegen die Haftbefehle Beschwerde einzulegen. Ihnen drohen 20 Jahre Gefängnis.

Inzwischen ermitteln auch die estnischen Behörden. Sechs der mutmaßlichen Seeräuber lebten zuletzt in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Die Verdächtigen gaben an, als Umweltschützer vor der schwedischen Küste unterwegs gewesen zu sein, als sie am 24. Juli in Seenot von der Arctic Sea gerettet worden seien. Dagegen wirft Russland ihnen vor, nach einem bewaffneten Überfall Lösegeld gefordert zu haben.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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