Politik : Rätsel um verschollene Hmong in Laos 4000 Flüchtlinge nach Rückkehr verschwunden

Daniel Kestenholz

Bangkok - Es klang wie ein Märchen – und währte nicht lange: Zwei Tage vor Weihnachten hatte General Vang Pao, der Exilführer der laotischen Hmong, die in Vietnam für Amerika kämpften, seine Rückkehr nach Laos angekündigt. Viele Hmong hatten sich nach der Machtübernahme der Kommunisten in Laos im Jahre 1975 in Thailand niedergelassen. Die Regierung in Bangkok betrachtete sie jedoch zum größten Teil als Wirtschaftsflüchtlinge. Als liege eine Absprache zwischen dem General und der laotischen sowie der thailändischen Regierung vor, schickte Thailand sechs Tage nach der Erklärung des Generals Ende Dezember über 4000 Hmong-Flüchtlinge nach Laos zurück – gegen deren Willen und ungeachtet internationaler Proteste, denn viele von ihnen sind politische Flüchtlinge, denen Repressionen drohen.

Von den deportierten Hmong fehlt jede Spur, seit sie laotischen Boden betreten haben. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bittet das Land vergeblich um Zugang zu den Männern, Frauen und Kindern. Jetzt sagte auch General Vang Pao „aus Sicherheitsgründen“ seine angekündigte historische Reise ab.

Die „Vientiane Times“, das englische Sprachrohr der Kommunistenführung, hatte Thailand in unverhohlen propagandistischem Ton für die „endgültige“ Rückführung der Hmong gedankt, die „Opfer von Menschenschmugglern und Betrug“ gewesen seien. Es sei Laos’ Pflicht, die Rechte seiner Staatsbürger zu schützen.

Der edelmütige, schwärmerische Plan von General Vang Pao hatte schon bei der Ankündigung verdutzt, war doch von offizieller laotischer oder thailändischer Seite nichts über diesen so fantastischen wie überraschenden Friedensschluss zu vernehmen. Thailand hatte den Hmong zunächst die Ausreise verweigert. Und General Vang Pao bat die Internierten um Geduld. Man müsse einen geeigneten Zeitpunkt abwarten, um dann nach Laos zurückzukehren und die Kommunisten zu stürzen.

Das Regime in Laos muss aber nicht im Entferntesten um die Macht bangen. Die letzten rebellischen Hmong in den Berggebieten leisten kaum noch Widerstand und selbst der alte Widersacher Thailand ist heute ein Freund, dem man vertrauen kann. Mit der Zwangsaussiedlung der Hmong hat die Armee des wichtigen südlichen Handelspartners klar demonstriert, dass Generäle Thailands Außenpolitik mitdiktieren. Und wenn die laotischen Kommunisten jemandem vertrauen, dann sind es Generäle. Die Hmong fielen zwischen die Räder. Damals im Vietnam-Krieg stand Thailand als Verbündeter Amerikas auf der Seite der Hmong, von denen 300 000 Flüchtlinge via Thailand vorerst eine neue Heimat in den USA fanden.

Nach dem Militärputsch 2006 in Bangkok haben Laos und Thailand ihre lange Zeit schwierigen Beziehungen normalisiert. Auf Drängen von Vientiane führte Bangkok auch neue Sprachregelung ein: Die letzten Hmong-Flüchtlinge wurden nun als „illegale Einwanderer“ klassifiziert. Die gewaltsame Rückführung dieser letzten Hmong mag dabei das formale Ende des Vietnam-Konflikts markieren, nicht aber das Ende des Flüchtlingsdramas. Daniel Kestenholz

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