Politik : Rätselraten über Ruanda-Flüchtlige bremst Planung für Hilfseinsatz

Kanadischer General hält Mission aber weiter für nötig Stuttgart/Bukavu (AFP).Trotz der Heimkehr Hunderttausender Ruanda-Flüchtlinge hält der kanadische General Maurice Baril einen Militäreinsatz in Ostzaire weiterhin für nötig."Glauben Sie denn, 200.000 gefährdete Menschen seien kein guter Grund für eine Mission?", fragte der nominierte Leiter der geplanten internationalen Schutztruppe am Freitag in Stuttgart.Dort berieten Vertreter von rund 40 Staaten und Organisationen unter Barils Leitung über Hilfsmöglichkeiten.Baril sagte, er wolle die militärischen Optionen am Wochenende genauer definieren. Mehrere zehntausend Menschen seien im Osten Zaires vom Tod bedroht, sagte in Bukavu der Vorsitzende der US-Organisation Refugees International, Lionel Rosenblatt.Die umherirrenden Flüchtlinge hätten nichts mehr, was sie gegen Lebensmittel eintauschen könnten.Die EU-Entwicklungsministerien verpflichteten sich, die "freiwillige Rückkehr" der Flüchtlinge in ihre Heimatländer zu unterstützen. Mit der genannten Zahl von 200.000 Menschen bezog Baril sich auf seine Beobachtungen im zairisch-ruandischen Grenzgebiet.Bei dem Stuttgarter Treffen seien allerdings Zahlen von 250.000 bis mehr als 500.000 genannt worden.Der Kanadier hatte sich in den vergangenen Tagen in Zaire und Ruanda aufgehalten, um die Rahmenbedingungen des Einsatzes zu erkunden.Die Schutztruppe solle "einen Korridor für die Hilfsorganisationen einrichten", sagte Baril.Wieviele Soldaten dafür benötigt würden, könne er noch nicht genau sagen, weil sich die Lage ständig verändere.Die USA und mehrere andere Länder hatten nach der jüngsten Massenrückkehr von Flüchtlingen nach Ruanda Zweifel an der Notwendigkeit der Truppe geäußert.Die Stuttgarter Beratungen sollten am Wochenende fortgesetzt werden. Die USA setzten ihre Aufklärungsflüge über Zaire aus.Pentagon-Sprecher Kenneth Bacon begründete die Entscheidung am Donnerstag in Washington damit, daß am Vortag eine US-Maschine südlich von Goma beschossen worden sei.Das Verteidigungsministerium prüfe die Angelegenheit.Nach dem Abschluß der Untersuchung würden die Flüge wieder aufgenommen.Die Besatzung der P-3-Orion hatte berichtet, das Aufklärungsflugzeug sei mit Luftabwehrgeschützen beschossen worden.Bacon nannte keine genaue Zahl der Flüchtlinge.Nach Angaben des Roten Kreuzes zeigen Luftaufnahmen, daß sich noch immer etwa 800.000 Flüchtlinge in verschiedenen Regionen Ostzaires aufhalten.Der finanzielle Rahmen der EU-Hilfen wurde in dem Brüsseler Beschluß nicht festgehalten. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk gab bekannt, daß in Burundi 300 heimgekehrte Flüchtlinge umgebracht worden seien.Das Massaker sei am 22.Oktober in einer Kirche des Dorfs Murambi verübt worden.Die Angaben wurden vom burundischen Regierungschef Pascal-Firmin Ndimira bestritten.

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