RAF : Angehörige von Opfern lehnen Klar-Begnadigung ab

Angehörige von RAF-Opfern haben sich gegen den Vorschlag von Michael Buback gewandt, Christian Klar zu begnadigen. Der Ex-Terrorist habe keine Reue gezeigt, hieß es in der Begründung.

Berlin - Unter anderem hat die Polizistenwitwe Sigrun Schmidt, deren Mann 1971 das erste Opfer der RAF war, in einem Brief an Bundespräsident Horst Köhler gegen eine Freilassung des früheren RAF-Terroristen ausgesprochen. "Ich kann es nicht glauben, dass Sie ernsthaft darüber nachdenken, Klar freizulassen", zitierte das ARD-Magazin "Bericht aus Berlin" am Sonntag vorab aus dem Schreiben.

Darin verweise Schmidt darauf, dass Klar "bis heute keine Reue" zeige. Die frühere Stewardess der 1977 entführten Lufthansa-Maschine "Landshut", Beate Keller, betonte den Angaben zufolge in einem weiteren Brief an Köhler, dass "Klar wusste, was ihn erwartet, als er Menschen tötete. Er hat sich von diesen Taten nie distanziert. Er weigert sich, Reue zu zeigen."

Entsetzen über Bubacks Fürsprache

Kein Verständnis zeigte Keller dafür, dass Michael Buback, der Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Generalbundesanwaltes Siegfried Buback, jüngst für eine Begnadigung Klars plädiert hatte. "Ich war sehr entsetzt, wie ich aus den Medien erfahren habe, dass Michael Buback dafür ist, dass Christian Klar begnadigt wird. Ich kann das nicht nachvollziehen", sagte sie dem TV-Magazin.

Ähnlich hatten sich am Wochenende weitere Angehörige von RAF-Opfern geäußert. Karin Göbel, Tochter des bei dem Buback-Attentat ebenfalls ermordeten Fahrers Wolfgang Göbel, sagte dem Magazin "Focus", sie könne nicht verstehen, warum sich Michael Buback plötzlich für Klar einsetze. Michael Buback hatte für eine Begnadigung Klars plädiert, weil dieser nach neuen Informationen zwar an der Tat beteiligt war, aber nicht unmittelbar auf seinen Vater geschossen habe.

Göbel sagte, Klar habe von dem Attentat gewusst, sei dabei gewesen und habe bei dem Dreifach-Mord geholfen. "Daher gehört er auch lebenslang eingesperrt - wirklich lebenslang", forderte Göbel. Marga Wurster, die Witwe von Siegfried Bubacks Begleiter Georg Wurster, sagte dem Blatt, sie sei gegen eine Begnadigung, weil Klar bei dem Buback-Attentat dabei gewesen sei. (tso/ddp)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben