RAF-Attentat : Buback: "Fragen von enormer Wucht"

Auch mehr als 30 Jahre nach der Ermordung des Generalbundesanwalts Buback ist der Schütze immer noch unbekannt. Der Sohn des Ermordeten, Michael Buback, droht nun mit einer Strafanzeige und sieht den Mörder von Geheimdiensten gedeckt.

Norbert Demuth

KarlsruheMichael Buback war 32 Jahre alt, als sein Vater in Karlsruhe von der RAF ermordet wurde. Doch drei Jahrzehnte lang wurden die tödlichen Schüsse auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei seiner Begleiter am 7. April 1977 lediglich einer Gruppe von Tätern zugeordnet. Die früheren RAF-Mitglieder Christian Klar, Günter Sonnenberg und Knut Folkerts galten stets nur als "Tatbeteiligte". Das ließ den heute 62-jährigen Göttinger Chemieprofessor nicht ruhen. Er wolle endlich "wissen, wer geschossen hat", sagte Buback bei einem Vortrag im Badischen Staatstheater in Karlsruhe.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt zwar nach neuen Hinweisen seit April auch gegen den RAF-Mann Stefan Wisniewski als möglichen Todesschützen. Doch Buback ist nach eigenen Recherchen und nach Überprüfung früherer Zeugenaussagen fest davon überzeugt, dass auch das Ex-RAF-Mitglied Verena Becker an zentraler Stelle an dem Mord mitgewirkt hat. Sie sei "dringend tatverdächtig", behauptet er. Aus "unerfindlichen Gründen" sei Becker aber wegen des Mordes an Buback nicht belangt worden. Buback sieht "unerklärliche Versäumnisse". Er sei mit der Nutzung von Aussagen früherer Augenzeugen "nicht zufrieden".

Buback droht mit Strafanzeige

Nun droht Buback mit einer Strafanzeige, wenn die Bundesanwaltschaft nicht rasch gegen Becker ein Ermittlungsverfahren einleite. Dann "könnte es sein, dass wir uns gezwungen sehen, eine Strafanzeige" wegen des Mordes von 1977 zu stellen.

Doch er sieht noch eine größere Dimension: Ihm sei "klar geworden", dass Becker auch "eine Informantin des Geheimdienstes" sei, sagte Buback. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte einem früheren Zeitungsbericht zufolge bereits Anfang der 80er Jahre intensiven Kontakt zu Becker. Laut "Spiegel" hat Becker dem Verfassungsschutz damals berichtet, Wisniewski habe von einem Motorrad aus Buback erschossen.

"Bedrückende" Denkmöglichkeiten

Bei den Ermittlungen haben nach Ansicht von Michael Buback daher möglicherweise Geheimdienste Täter gedeckt. "Es muss geklärt werden, ob es eine Deckung von Tatverdächtigen unter Beteiligung von 'Diensten' gegeben hat", sagte Buback. Er selbst sprach von "düsteren Vermutungen". Es habe sich "der Eindruck verdichtet, dass es ein bedeutendes Geheimnis gibt, und wir hoffen, dass es keinen Verrat an meinem Vater gab".

Zugleich sprach Buback von "bedrückenden" Denkmöglichkeiten. "So könnte die Deckung eines Täters deshalb so rasch Wirkung entfaltet haben, da sie vorbereitet werden konnte, weil man von der Tat bereits vor deren Ausführung wusste", sagte er. Dies sei zwar "ein schrecklicher Gedanke". Diese Variante könne man aber "nicht mit Sicherheit ausschließen". Er habe Hinweise dafür, dass sein Vater "neben der RAF noch andere Gegner" hatte.

Ermittlungen gegen Guillaume

Als Buback nach dem Vortrag gefragt wurde, wer denn diese Gegner gewesen sein könnten, zögerte er zunächst. "Soll ich's sagen?", überlegte er laut. Dann berichtete Buback, dass sein Vater angeblich gegen den als DDR-Spion enttarnten Kanzleramtsreferenten Günter Guillaume ermittelt habe. Im Zuge der Enttarnung Guillaumes im Jahr 1974 war letztlich auch Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) zurückgetreten. Sein Vater habe damals "sehr viel gewusst".

Michael Buback verwies zudem auf eine vom Südwestrundfunk entdeckte Stasi-Akte. Darin stehe, dass zuverlässige Informationen vorlägen, wonach Becker schon seit 1972 "von westdeutschen Abwehrorganen wegen der Zugehörigkeit zu terroristischen Gruppierungen bearbeitet beziehungsweise unter Kontrolle gehalten" werde. Wenn die Zusammenarbeit westdeutscher Geheimdienste mit Becker tatsächlich bereits fünf Jahre vor der Ermordung seines Vaters bestanden habe, ergäben sich "Fragen von enormer Wucht", betonte Buback.

Der 62-Jährige fügte hinzu, er sei als Chemie-Professor auch eine Art "Ermittler". In den Naturwissenschaften gebe es aber einen großen Vorteil: "Dass die Natur uns nicht belügt." (mit ddp)

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