RAF : Ex-Terroristin Becker wohl nicht Bubacks Mörderin

Immer wieder hatte der Sohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker als Täterin genannt. Ein aktuelles Gutachten des BKA stützt diesen Verdacht nicht - im Gegenteil.

KarlsruheDie frühere RAF-Terroristin Verena Becker war offenbar nicht am Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback 1977 beteiligt. Wie die Bundesanwaltschaft am Dienstag mitteilte, stammen DNA-Spuren, die nach dem Mord gefunden worden waren, definitiv nicht von Becker. Dabei geht es um sogenannte Mischspuren, die in einem Motorradhandschuh, in einem Helm neben dem Tat-Motorrad sowie in einer Motorradjacke im Fluchtauto gefunden worden waren.

Nach dem Gutachten des Bundeskriminalamts (BKA) ist Becker als Mitverursacherin der Spuren ausgeschlossen. Vor allem Michael Buback, Sohn des damals ermordeten Generalbundesanwalts, hatte immer wieder Becker als mögliche Todesschützin genannt und die Bundesanwaltschaft zu Ermittlungen gedrängt. Er stützte sich dabei unter anderem auf Zeugen, die auf dem Tat-Motorrad eine eher zierliche Person wie Verena Becker gesehen haben wollen.

Beugehaft wird geprüft

Als unmittelbare Mittäter an der Ermordung Bubacks und seiner beiden Begleiter gelten der noch inhaftierte Christian Klar sowie Knut Folkerts und Günter Sonnenberg. Als Rädelsführerin wurde Brigitte Mohnhaupt verurteilt. Wer damals die tödlichen Schüsse vom Sozius eines Motorrads abgefeuert hatte, ist aber bis heute ungeklärt. Der Ex-Terrorist Peter-Jürgen Boock nannte 2007 Stefan Wisniewski als möglichen Schützen - gegen ihn wird seither ermittelt. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) verhängte im Januar Beugehaft gegen Mohnhaupt, Folkerts und Klar, um ihr Schweigen zum Mordfall Buback zu brechen. Diese Entscheidung wird derzeit vom BGH-Staatsschutzsenat überprüft.

Nach den bisherigen Untersuchungen der drei DNA-Spuren war eine Frau als Miturheberin nicht auszuschließen. Deshalb hatte die Bundesanwaltschaft vor kurzem offiziell Ermittlungen gegen die 55- jährige Becker eingeleitet, um von ihr eine DNA-Probe entnehmen zu können. Becker war einen Monat nach dem Mord zusammen mit dem Buback- Attentäter Sonnenberg im süddeutschen Singen festgenommen worden - im Besitz der Tatwaffe. Ein Ermittlungsverfahren gegen sie war Anfang der 80er Jahre eingestellt worden. Becker war wegen der Schießerei bei ihrer Festnahme zu lebenslanger Haft verurteilt worden. 1989 wurde sie begnadigt. (sf/dpa)

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