RAF : Klar hofft auf "Niederlage der Pläne des Kapitals"

Der frühere RAF-Terrorist Christian Klar hat in seiner ersten öffentlichen Äußerung seit seinem Gnadengesuch das kapitalistische Wirtschaftssystem kritisiert. In einer Grußbotschaft für die Rosa-Luxemburg-Konferenz spricht er unter anderem von einem "imperialen Bündnis" in Europa.

Mainz - Klar äußert die Hoffnung, dass die Zeit jetzt gekommen sei, "die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen", wie das ARD-Magazin "Report" berichtete. In der öffentlichen Botschaft vom 13. Januar prangert Klar zudem ein "imperiales Bündnis" in Europa an, "das sich ermächtigt, jedes Land der Erde, das sich seiner Zurichtung für die aktuelle Neuverteilung der Profite widersetzt, aus dem Himmel herab zu züchtigen und seine ganze gesellschaftliche Daseinsform in einen Trümmerhaufen zu verwandeln."

Klar, der bei Bundespräsident Horst Köhler ein Begnadigungsgesuch gestellt hat, würdigte zudem die sozialistischen Bestrebungen in einigen Ländern Südamerikas. Anders als in Europa werde dort "nach zwei Jahrzehnten sozial vernichtender Rezepte der internationalen Besitzerklasse - endlich den Rechten der Massen wieder Geltung gegeben und darüber hinaus an einer Perspektive gearbeitet." Das Grußwort wurde laut ARD vom ehemaligen PDS-Abgeordneten und wegen Stasi-Vorwürfen entlassenen Rektor der Humboldt-Universität, Heinrich Fink, verlesen. Fink hatte Klar nach eigenen Angaben mehrmals im Gefängnis besucht.

Der Freiburger Kriminologe, Helmut Kury, der im Auftrag des Justizministeriums Baden-Württemberg ein Gutachten über Klar erstellt hat, zeigte sich von dem Text überrascht. Mit Blick auf Klars Gnadengesuch sagte Kury zu "Report", Klar habe sich damit sicherlich nicht genützt. "Jeder normale Bürger, der das hört, wird sagen, das ist ein Unverbesserlicher, der hat sich nicht weiterentwickelt. Man wartet ja auf eine gewisse Reue oder Entschuldigung, wird immer in den Medien gesagt. Das deutet ja eher in die andere Richtung."

Klar sitzt wegen mehrfachen Mordes seit 24 Jahren hinter Gittern. Weil seine Mindesthaftzeit im Januar 2009 endet, wird er Medienberichten zufolge derzeit auf Vollzugslockerungen vorbereitet. Die schrittweise Gewöhnung Klars an die Freiheit reicht dann vom bewachten Ausgang bis hin zum regulären Freigang. (tso/AFP)

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