Politik : RAF-Prozess: Nur friedlich Häuser besetzt oder Bomben in Spanien gelegt?

Andreas Böhme

Es scheint, als wollte die Staatsmacht noch einmal ihr ganzes Sicherungspotenzial präsentieren in diesem späten RAF-Prozess. Personenschleusen, Leibesvisitationen: Die zwei Dutzend Besucher, die am Dienstag dem Verhandlungsauftakt gegen Andrea Klump folgten, mussten viel ertragen. Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, zweifachen Mordversuch, Geiselnahme und Erpressung wirft die Bundesanwaltschaft der 43-Jährigen vor. Sie soll 1988 zusammen mit dem RAF-Mitglied Horst Ludwig Meyer in Spanien einen Sprengstoffanschlag geplant haben. Ziel: Ein Strandhotel samt Disko. Laut Anklage galt das Attentat Soldaten eines nahen Nato-Stützpunktes. 18 Kilo Sprengstoff und Nägel sollten die Opfer treffen, doch der Zünder versagte. Die beiden Täter, so die Anklage, flohen, später fand sich in der Nähe des Tatorts ein Zettel mit Klumps Handschrift. Nach einer Schießerei mit Polizisten kidnappten die Attentäter eine britische Touristenfamilie, verschwanden mit deren Wohnmobil und lebten seither im Untergrund. Bis zum September 1999, als Meyer und Klump in Wien gestellt werden. Es kommt zum Schusswechsel, Meyer wird tödlich getroffen und Klump verhaftet.

War es so? Nein, sagt Andrea Klump. Sie schildert sich als politisch aktive Studentin in Zeiten des Nato-Doppelbeschlusses, der Sitzblockaden, der Friedensbewegung. Sie besetzte Häuser, arbeitete in Unterstützergruppen für die RAF-Gefangenen - und wähnte sich deshalb im Visier der Fahndungsbehörden. Sie habe geglaubt, sich allein durch die Flucht ins Exil einer Verhaftung entziehen zu können. Weder habe sie je Waffen getragen, noch den Anschlag in Spanien verübt. Vor allem aber sei sie nie Mitglied der RAF gewesen. Voraussichtlich bis Februar 2001 wird weiter verhandelt.

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