Raffinerie-Stilllegung : Frankreich droht das Benzin auszugehen

Um einer drohenden Benzinknappheit vorzubeugen, hat die französische Regierung im Konflikt um die Schließung einer Raffinerie bei Dünkirchen den Druck auf den Erdölkonzern Total weiter erhöht.

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Paris - Am Dienstag empfing Staatspräsident Nicolas Sarkozy den Konzernchef Christophe der Margerie, der zu der Unterredung von Bilanzgesprächen in den USA vorzeitig zurückkehren musste. Nach Mitteilung eines Regierungssprechers fordert Sarkozy von dem Konzern „die Beibehaltung seiner Raffineriekapazitäten in den kommenden Jahren“. Bereits am Vortag hatte Sarkozy den Aufsichtsratschef des Unternehmens, Thierry Desmaret, in den Elysée-Palast zitiert.

Wegen der angekündigten Stilllegung der seit Mitte Januar bestreikten Raffinerie haben sich in der vergangenen Woche die Beschäftigten der übrigen fünf Total-Raffinerien in Frankreich dem Ausstand angeschlossen. Nach einem Aufruf der Gewerkschaft CGT an die Arbeiter der Raffinerien von Exxonmobil und der britischen Ineos-Gruppe, sich mit dem Arbeitskampf ihrer Kollegen bei Total zu solidarisieren, droht inzwischen eine Benzinknappheit. 249 von 2000 Tankstellen waren am Dienstag trocken. Um drei Wochen vor der Regionalwahl einer Panik vorzubeugen, appellierte die Regierung am Dienstag an die Franzosen, „die Nerven zu behalten“. Die Vorratslager reichten für sieben bis zehn Tage, hieß es.

Total hatte die Ankündigung der Stilllegung der Raffinerie mit der Aussicht auf neue Aktivitäten mit garantierten Arbeitsplätzen für die 370 Beschäftigten an dem Standort verbunden. Aus Misstrauen gegenüber dieser vagen Zusage will die Gewerkschaft CGT die Wiederaufnahme des seit September 2009 ruhenden Raffineriebetriebs in Dünkirchen erzwingen. Dass ihr dies mit Unterstützung Sarkozys gelingt, ist fraglich. Bei seinen Gesprächen in den USA hatte Konzernchef de Margerie die Notwendigkeit der Anpassung an die schrumpfenden Margen im Raffineriegeschäft betont. Für 2009 wies Total einen Gewinn von acht Milliarden Euro aus. 

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