Raketenschild : Russland droht Polen

Moskau reagiert gereizt auf die Einigung zwischen den USA und Polen zur Stationierung von US-Abwehrraketen. Polen gefährde sich mit dem Aufbau von Abwehrraketen selbst und mache sich durch die Stationierung im Ernstfall zum primären Ziel, sagte der stellvertretende Generalstabschef Anatoli Nogowizyn.

MoskauDie russische Militärführung hat mit Drohungen gegen Polen auf die zwischen Warschau und Washington vereinbarte Stationierung von US-Abwehrraketen reagiert. "Polen gefährdet sich mit dem Aufbau von Abwehrraketen selbst. Solche Ziele werden der Priorität nach (im Ernstfall) zuerst vernichtet", sagte der stellvertretende Generalstabschef Anatoli Nogowizyn am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. Dabei diene die geplante Raketenabwehr nur zum Schutz der USA und nicht Polens.

Polen und die USA hatten sich nach über einjährigen Verhandlungen auf den Bau des US-Raketenschilds geeinigt. In Polen sollen den US-Plänen zufolge bis 2012 zehn Abfangraketen installiert werden. Zusammen mit einer Radaranlage in Tschechien sollen sie Amerika vor möglichen Raketenangriffen, etwa aus dem Iran, schützen .Mit Tschechien wurde bereits am 8. Juli ein Abkommen über die Stationierung einer dazu gehörigen Radaranlage unterzeichnet.

Weitere Belastung des amerikanisch-russischen Verhältnisses

Das Verhältnis zwischen Russland und den Vereinigten Staaten ist durch den Bau des Raketenschilds weiter belastet. Ein ranghoher russischer General sprach am Freitag von einer "weiteren Verschlechterung" des bereits durch den Georgien-Konflikt gestörten Verhältnisses. Russland sehe das Vorhaben als direkte Bedrohung gegen sich, zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax einen ranghohen Vertreter des Moskauer Außenamts. Außenminister Sergej Lawrow sagte einen für September geplanten Besuch in Warschau ab. Die USA und Polen hatten sich am Donnerstagabend nach langen Verhandlungen geeinigt.

"In Anbetracht des Inhalts und der Eile (zu einer Einigung zu kommen) wird ein weiteres Mal deutlich, dass das Vorhaben in keiner Verbindung zur Bedrohung durch iranische Raketen steht, sondern gegen Russland gerichtet ist", sagte ein ranghoher Vertreter des russischen Außenministeriums. Es sei bedauerlich, dass die USA angesichts der komplizierten Lage in Georgien ihre Beziehungen zu Russland weiter verschlechterten, sagte der stellvertretende Generalstabschef Anatoli Nogowizyn in Moskau. Russland hatte in der Vergangenheit wiederholt scharf gegen das Abwehrsystem nahe seiner Grenze protestiert.

Der letztendliche Grund für den Durchbruch bei den Verhandlungen zwischen Polen und den Vereinigten Staaten war nach Angaben des polnischen Regierungschefs Donald Tusk die Zusage der USA, künftig Patriot-Luftabwehrraketen ständig in Polen zu stationieren. Warschau hatte dies zur Bedingung für seine Zustimmung gemacht, weil es durch den Raketenschild zusätzliche Sicherheitsrisiken befürchtet. Während die Patriot-Raketen zunächst unter dem Kommando von US-Truppen stehen, soll laut Tusk mittelfristig auch die polnische Armee mit dem Waffensystem ausgerüstet werden. (lee/dpa/AFP)

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