Raketenschild : Vermittelte Peres zwischen Washington und Moskau?

Die USA haben kürzlich überraschend den Verzicht auf ihren Raketenschild in Europa erklärt, Russland ist bereit, mehr Druck auf Iran auszuüben. Doch auch Israel könnte bei diesem Deal eine Rolle gespielt haben.

Charles A. Landsmann

Tel Aviv Für Schimon Peres, den immerhin schon 86-jährigen israelischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger, ist Israel mit all seinen Sorgen und Konflikten offensichtlich zu klein. Denn seit über einem Jahr bemüht sich Peres intensiv darum, die Spannungen zwischen Ost und West, Moskau und Washington wegen der von George W. Bush angekündigten Raketenstationierung in Polen und Tschechien abzubauen. Das berichtete die Tel Aviver Zeitung „Maariv“ nach der Ankündigung der USA, die geplante Raketenabwehr nicht in Osteuropa zu installieren.

Die Idee des weltweit hoch angesehenen Präsidenten: Die USA verzichten auf die von Russland als Bedrohung verstandene Raketenstationierung in Polen und Tschechien, Russland schließt sich als Gegenleistung den internationalen Bemühungen gegen die Atomrüstung des Iran an und widersetzt sich auch nicht einer eventuellen Verschärfung der Sanktionen gegen Teheran.

Vor einem Jahr legte Peres seinen Plan drei Personen vor: dem damaligen russischen Präsidenten und heutigen Ministerpräsidenten Wladimir Putin, dem US-Präsidenten George W. Bush und dem damaligen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama bei dessen Israelbesuch. Bushs Nein verurteilte den Plan zu einem Schubladen-Dasein, doch dank Obamas Wahl erlebte er eine Renaissance.

Und so verlief die Schlussphase: Peres reiste kürzlich zu Putin-Nachfolger Dmitri Medwedew nach Sotschi und versprach seinem Gastgeber zusätzlich, dass Israel den Iran nicht militärisch angreifen werde, wie Medwedew im CNN-Interview sagte. Zwar erklärte der israelische Vizeaußenminister Danny Ayalon am Montag, die Militäroption gegen den Iran existiere nach wie vor, doch weder Peres noch Regierungschef Netanyahu dementierten Medwedews Worte. Ganz im Gegenteil: Der russische Präsident bestätigte, dass Netanyahu letzte Woche zu einem Geheimbesuch in Russland gewesen sei – in Sachen Iran.

US-Präsident Obama verneinte zwar in einem Interview mit CBS einen direkten Zusammenhang zwischen der Annullierung der Raketenpläne in Osteuropa und den iranischen Atomplänen. Doch er gestand ein, eine durchaus erfreuliche Nebenerscheinung der Nicht-Stationierung der Raketen sei die russische Bereitschaft, effektiver gegen die iranische Aufrüstung mit ballistischen Raketen und Atomwaffen vorzugehen. 

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