Politik : Ramallah: Parlament in Brand gesetzt Konflikt zwischen Fatah und Hamas eskaliert

-

Ramallah - Die Auseinandersetzungen zwischen den Palästinensergruppen Fatah und Hamas haben sich weiter zugespitzt. In Ramallah setzten Aktivisten der Fatah-nahen El-Aksa-Märtyrer-Brigaden am Montagabend das Parlamentgebäude und den Regierungssitz in Brand, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Ein Hamas-Abgeordneter wurde von Vermummten entführt. Hamas-Aktivisten stürmten in Gaza ein Gebäude der Fatah-nahen Sicherheitskräfte; bei anschließenden Schießereien wurden zwei Menschen getötet. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas versetzte die Truppen in höchste Alarmbereitschaft.

Hunderte Sicherheitskräfte und bewaffnete Fatah-Anhänger stürmten den Sitz der Hamas-geführten palästinensischen Regierung, nachdem sie vor dem Gebäude gegen die innerpalästinensische Gewalt protestiert hatten. Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija hielt sich nicht in dem Gebäude auf. Die Demonstranten machten die radikalislamische Hamas-Regierung für die jüngsten Eskalationen verantwortlich. Die aufgebrachte Menge stürmte das Gebäude und eröffnete das Feuer. Die Aktivisten zerschlugen Fenster, zerstörten Computer und zerrissen Dokumente. Im Parlament zündeten Aktivisten der El-Aksa-Märtyrer-Brigaden das Erdgeschoss an. Die Flammen breiteten sich schnell auf das ganze Gebäude aus.

In Rafah im südlichen Gazastreifen kamen bei Schießereien zwischen Hamas-Anhängern und Angehörigen der Fatah-nahen Präventiven Sicherheitsdienste ein Hamas-Aktivist und ein Zivilist ums Leben; 17 weitere wurden verletzt. Die Zusammenstöße ereigneten sich nach der Beerdigung eines von den Sicherheitskräften getöteten Hamas-Aktivisten. Hamas-Anhänger feuerten eine Granate auf das Hauptquartier der Sicherheitskräfte. Daraufhin begannen nach Angaben der Sicherheitskräfte die Kämpfe.

In Ramallah wurde der Hamas-Abgeordnete Chalil el Rabai von maskierten Männern entführt. Zuvor war in Gaza der Hamas-Politiker Salah el Rantissi von unbekannten Bewaffneten kurzzeitig entführt worden. Er wurde nach zwei Stunden wieder wohlbehalten freigelassen.

Im Palästinenserparlament hatten Vertreter von Hamas und Fatah am Montag über das von Abbas geplante Referendum gestritten und sich gegenseitig Verfassungsbruch vorgeworfen. In der Sitzung ging es um die Rechtmäßigkeit der Volksbefragung über die Errichtung eines eigenen Staates in Koexistenz mit Israel, die Abbas per Dekret für den 26. Juli angesetzt hat. Die Parlamentsabstimmung über das Referendum wurde auf den 20. Juni verlegt, um mehr Zeit für Verhandlungen zu gewinnen.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert warb unterdessen in London für seinen Plan, die israelischen Grenzen ohne Beteiligung der Palästinenser festzulegen. Er bekräftigte seinen Willen, mit ihnen darüber zu verhandeln, schloss aber auch die gezielte Tötung von Mitgliedern der Hamas-Regierung nicht aus. „Niemand, der mit Terrorismus zu tun hat, genießt Immunität“, sagte Olmert. AFP

0 Kommentare

Neuester Kommentar