Politik : „Rambo“ gegen Pragmatiker

Der bisherige Kieler SPD-Landeschef Ralf Stegner hat ein Draufgänger-Image und nicht nur Freunde – heute tritt er gegen Ex-Justizminister Uwe Döring an

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Bescheidene Worte kennt man gar nicht von dem schleswig-holsteinischen SPD- Vorsitzenden Ralf Stegner (51). Umso bemerkenswerter ist ein in dieser Woche von Stegner ausgesprochener Satz. „Ich kämpfe für die Sozialdemokratie an der Stelle, wo die Partei mich hinstellt“. So viel Demut ist dem Umstand geschuldet, dass für Stegner die Wahl zum schleswig-holsteinischen SPD-Chef inzwischen kein Selbstläufer mehr ist, nachdem er bei der Kür für den Posten des Spitzenkandidaten zur nächsten Landtagswahl vom Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig (47) ausgestochen worden war. Auf dem Landesparteitag an diesem Samstag in Husum tritt Stegner nun gegen Uwe Döring (64) an, den Arbeits- und Justizminister aus dem gemeinsamen Vorgängerkabinett mit der CDU. Das Duell verspricht spannend zu werden.

Das SPD-Bundespräsidiumsmitglied Stegner ist spätestens seit der Niederlage, die er im Februar gegen Albig davontrug, beschädigt. Seit den Siebzigerjahren hat es im Landesverband, den Stegner gern als links und dickschädelig tituliert, keine Kampfabstimmung mehr um den Parteivorsitz gegeben. Doch die Nord-SPD sucht nach der 2009 erfolgten Verbannung in die Opposition nach ihrem Weg und dem dazugehörigen Personal. Neuer starker Mann ist Albig, doch eine Tandemlösung mit einem um Verbalattacken nie verlegenen Stegner findet nicht überall Zustimmung. Als Albig Ende Februar genau dieses Personalmodell vorstellte, hagelte es heftige Kritik. Stegner haftet eine Verlierermentalität an – unter seiner Führung wurden nacheinander Kommunal-, Europa- und Landtagswahlen in den Sand gesetzt. Hört man sich um, sind es gar nicht mal seine Inhalte, mit denen er aneckt. Es ist vielmehr sein „Rambo“-Charakter, der ihm vorgehalten wird. Auch wenn er sich in den vergangenen Jahren viel lockerer und harmoniebetonter gibt, wird er sein Negativ-Image einfach nicht los.

Nun muss der frühere Finanz- und Innenminister in Kiel um seine Karriere fürchten, denn nach einer weiteren innerparteilichen Niederlage wäre er für künftige höhere Aufgaben „verbrannt“. Die meisten SPD-Kreisvorsitzenden stehen wohl noch auf seiner Seite, doch in den letzten Wochen mehrten sich öffentliche Stimmen aus Orts- und Kreisverbänden und sogar aus der eigenen Fraktion, die Stegner nicht mehr an der Spitze sehen wollen. Fällt der Amtsinhaber an diesem Samstag bei der Wahl zum SPD-Landeschef gegen den Herausforderer durch, muss man kein Prophet sein, um die Vorhersage zu wagen, dass auch Stegners Fraktionsvorsitz und damit die Rolle des Oppositionsführers unwillkürlich in- frage gestellt wird. Albig stützt Stegner demonstrativ, auch wenn der Kreisverband Kiel, zu dem Albig gehört, im vergangenen Monat mit rund 90 Prozent gegen Stegner votierte. Dieser Riss, über den Albig sich mokiert, geht über Kiel hinaus durch den gesamten Landesverband.

Döring hat seinen Hut erst am 22. März in den Ring geworfen. Er ist wie Stegner in den Gremien der Partei bestens vernetzt. Er gilt als Mann des Ausgleichs, ist Pragmatiker und hat geschickt mit seiner Kandidatur auch eine Totalreform der Hartz-IV-Gesetzgebung gefordert, um auch für den Stegner zuzurechnenden linken Parteiflügel ein ernsthaftes Angebot zu machen.

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