Politik : Rassismus auf dänisch

Taxikunden, die etwas gegen Ausländer haben, bekommen einen einheimischen Fahrer – die Behörden finden nichts dabei

Andre Anwar[Kopenhagen]

In Kopenhagener Taxifirmen hat sich im Laufe der Jahre ein „weißer“ Taxiservice etabliert. Kunden, die etwas gegen ausländische Taxifahrer haben, können bei der Bestellung in der Taxizentrale darum bitten, einen dänischen Fahrer zu bekommen. Dies geschieht auf unterschiedlichem Wege. Einige Kunden bringen ihre Präferenz relativ direkt zum Ausdruck, indem sie sagen, dass sie keinen Einwanderer wollen.

Bei anderen hat sich die schüchterne Replik „ein Hund soll mit“ etabliert. Ein Code der sich in Kopenhagen eingebürgert hat, weil vor allem ausländische Taxifahrer Hunde als unrein ansehen und den Mittransport von Haustieren eher ablehnen als ihre dänischen Kollegen.

Eine lokale Zeitung hatte vor einiger Zeit mehrere Taxifirmen getestet und war zum dem Ergebnis gekommen, dass fünf von neun Kopenhagener Taxifirmen diesen „Service“ anbieten. Daraufhin war die Kritik groß im Land. „Getan hat sich dennoch nichts“, sagt Berit Persson von der Kopenhagener Polizei dem Tagesspiegel. Der Kopenhagener Taxiverband diskutierte den fragwürdigen Service, aber Vorsitzende des staatlichen Taxiamtes, Erik Eefsen verzichtete darauf, die Taxiunternehmen, die ihren Kunden die Möglichkeit geben, den ethnischen Ursprung ihrer Fahrer selber zu bestimmen, abzumahnen.

Seine Begründung gegenüber einer lokalen Zeitung: „Wenn du in den Supermarkt einkaufen gehst und da eine Kassierern mit einem Kopftuch sitzt und eine ohne, bist es auch du selbst, der auswählt. Das ist das gleiche mit den Taxiunternehmen, die Kunden bestellen und die Unternehmen liefern einfach die Ware“, sagt Eefsen. Auch der liberale Integrationsminister Bertel Harder wollte keine Anzeige stellen und rief stattdessen die Bevölkerung halbherzig zum freiwilligen Boykott auf.

Die meisten Taxifahrer in Kopenhagen kennen die Situation. „Alle wissen über den weißen Service Bescheid und als Ausländer merke ich, dass ein Teil der Kunden lieber in Taxis mit dänischen Fahrern Taxis steigt“, sagt Ali Hassouoni der seit 22 Jahren in Kopenhagen Taxi fährt einer schwedischen Tageszeitung. In der Firma, in der er angestellt ist, gebe es allerdings keine Diskriminierung und Hassouoni hofft darauf, dass die Branche sich in diesem Punkt selbst saniert.

Ein dänischer Fahrer der seinen Namen nicht nennen möchte, gibt zu, dass er des öfteren Fuhren hatte, wo Kunden bei der Bestellung einen Hund ankündigten, der dann später bei der Fahrt gar nicht dabei war. „Das ist komisch und in Zukunft werde ich ‚nein’ sagen. Natürlich soll der Kunde bestimmen können, aber ich habe viele Freunde unter den ausländischen Fahrern und das ist ungerecht ihnen gegenüber“, sagt der Däne. Oft bevorzugten Kunden auch an Taxiständen Dänen, auch wenn ein ausländischer Fahrer ganz vorne in der Warteschlange stehe.

Nachdem von Seiten der Regierung nichts passieren zu schien, untersuchte die Justizabteilung der Kopenhagener Polizei den Fall auf eigene Faust und fragte sich, ob die Taxifirmen, genauso wie Kopenhagener Nachtklubs, die keine Einwanderer hineinlassen, gegen das Diskriminierungsgesetz verstoßen. Die Untersuchung wurde abgebrochen. Erfolglos. „Unsere Rechtsabteilung ist zum Ergebnis gekommen, dass die Taxi-Firmen nicht gegen geltende Gesetze verstoßen“, sagt Kriminalinspektor Olle Wagner dem Tagesspiegel.

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