Rassismus in Oberbayern : Pfarrer tritt nach Morddrohungen zurück

Der schwarze Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende gibt nach Morddrohungen und rassistischen Beleidigungen seinen Posten in Zorneding bei München auf. Der Geistliche hatte CSU-Lokalpolitikern widersprochen und sich für Flüchtlinge eingesetzt .

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Der Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende hat um Verständnis für seinen Rücktritt nach rassistischen Beschimpfungen und Morddrohungen gebeten. Foto: dpa
Der Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende hat um Verständnis für seinen Rücktritt nach rassistischen Beschimpfungen und Morddrohungen...Foto: dpa

München - Es war kein normaler Sonntagsgottesdienst für den katholischen Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende in Zorneding, einer 9000-Einwohner-Gemeinde nahe München. Am Ende verkündete der schwarze Priester den Kirchgängern, dass er seine Pfarrerstelle in Zorneding verlässt und zum 1. April woandershin wechselt. Der Grund dafür seien die „Erfahrungen der letzten Zeit“. Seit Monaten war er rassistisch beleidigt worden und hatte fünf Morddrohungen erhalten. Der 66 Jahre alte Geistliche, der aus dem Kongo stammt und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, wollte nicht mehr.

Einen solchen Fall, bei dem ein Pfarrer auf diese massive Weise angegangen wurde, hat es in Bayern bisher noch nicht gegeben. „Ab mit dir nach Auschwitz“, wurde ihm geschrieben. In einer Mitteilung erklärt das zuständige Erzbistum München und Freising, Ndjimbi-Tshiende fühle sich nun „erleichtert“, dennoch blicke er „ohne Verbitterung auf seine Zeit in Zorneding zurück“. Die Menschen in der Gemeinde sind schockiert, eine Frau sagt: „Ich habe sehr viel Mitgefühl mit dem Pfarrer, das trifft uns sehr.“ Und der CSU-Bürgermeister Piet Mayr beschreibt es so: „Der ganze Ort ist wie gelähmt.“

Der Fall hat eine Vorgeschichte, die bis zum Oktober 2015 reicht. Da war die Unternehmensberaterin Sylvia Boher noch die unumstrittene Nummer eins bei den Christsozialen in Zorneding – Ortsvereinsvorsitzende, Gemeinderatsmitglied. Im Parteiblatt „Zorneding-Report“ hatte sie ihre feste Kolumne mit dem Titel „Kritisch angemerkt“. In der Herbstausgabe hetzte sie gegen Flüchtlinge. Sie schrieb von „Invasion“ und von „Militärdienstflüchtlingen“ aus Eritrea.

Der Pfarrer stellt sich dagegen, rief zu Toleranz und menschenwürdigem Umgang mit Flüchtlingen auf. Das führte zu einer weiteren CSU-Entgleisung: Der damalige Ortsvereinsvize Johann Haindl sagte im Interview mit einer Lokalzeitung, Ndjimbi-Tshiende müsse aufpassen, dass ihm der Altpfarrer von Zorneding „nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt, unserem Neger“. Zorneding war damit bundesweit in den Medien als ein Hort von Rassisten innerhalb der CSU. Sylvia Boher und ihr Vize traten zurück. Die Kirchgängerin, die als komplett uneinsichtig beschrieben wird, hat seitdem Schreibverbot für den „Zorneding-Report“. Das Gemeinderatsmandat hat sie behalten.

Dann kamen die anonymen Beleidigungen und Drohungen gegen den Pfarrer. In drei Fällen hat er Anzeige erstattet, die Kriminalpolizei Erding ermittelt. Bürgermeister Mayr kann sich nicht vorstellen, „dass irgendeiner aus dem Ort die Drohungen verfasst hat“. Zorneding sei bekannt geworden, „Psychopathen und Dumpfbacken aus der ganzen Republik“ könnten dahinterstecken. Für den Abend hat er die Fraktionssprecher einberufen, um klare Signale zu setzen. „Wir können so etwas nicht tolerieren.“ Patrick Guyton

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