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Rassistische Kommentare bei Onlinepetition : Aktion für "Pegida" gescheitert

Eine Onlinepetition für "Pegida" ist erfolglos geblieben. Viele Unterstützer gaben rassistische und islamophobe Kommentare ab. Die Petition wurde vom Anmelder geschlossen, Change.org löschte die Kommentarspalte.

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"Pegida"-Kundgebung am 22. Dezember in Dresden
"Pegida"-Kundgebung am 22. Dezember in DresdenFoto: Hannibal Hanschke/Reuters

Drei Tage nach dem Start hat ein anonymer Aktivist eine Onlinepetition für die islamfeindliche Bewegung "Pegida" selbst gestoppt. In der Nacht zum Montag schloss der Mann die Befragung, wie der Deutschlandchef der Plattform Change.org, Gregor Hackmack, dem Tagesspiegel sagte. "Er hat von sich aus die Segel gestrichen."

Zur Begründung teilte der Petent Change.org mit: "Ich habe die Umfrage geschlossen, weil zu viele Kommentare gegen die Regeln verstoßen. Solche Kommentare möchte ich nicht in meiner Petition haben. Mir fehlt leider die Zeit, die Kommentare zu moderieren."

Die Pro-"Pegida"-Aktion war als Antwort verstanden worden auf die Initiative "Für ein buntes Deutschland", die seit Heiligabend läuft und die bis Dienstagvormittag mehr als 230.000 Unterstützer gefunden hat. Für diese Aktion werden auf der Seite Change.org, der nach eigenen Angaben größten Petitionsplattform der Welt, weiter Unterschriften gesammelt - der Initiator Karl Lempert, ein Privatmann, hat sich zum Ziel gesetzt, eine Million Unterstützer zu finden.

Die Petition pro "Pegida" endete mit 36.701 Unterstützern. Es gab auf der Internetseite zahlreiche islamophobe, rassistische und ausländerfeindliche Kommentare. Nur beispielsweise hieß es in einem: "Ich befürchte, dass wenn es mit der Islamisierung so weiter geht, dass mein Land zusammenbrechen wird. Traditionen und Gebräuche meiner Heimat sind jetzt schon gefährdet. Deutschland den Deutschen! Alle anderen gehören einfach nicht hier her!"

Change.org hatte den Einreicher der Petition deshalb am Wochenende zur Moderation aufgefordert und eine Prüfung der Petition eingeleitet. Zur Begründung hieß es, einige Kommentare würden gegen die Community-Regeln verstoßen.

Change.org-Chef Hackmack sagte, seine Organisation habe bereits am Wochenende ein paar hundert Kommentare durchgelesen "und das Schlimmste gelöscht". Insgesamt hätten die Kommentare rund 750 DIN-A-4-Seiten umfasst. Mit Schließung der Petition können auch keine weiteren Kommentare dazu auf der Change.org-Seite abgegeben werden.

"Es zeigt sich, welch Geistes Kind die Pegida-Anhänger sind"

Am späten Montagabend entschied Change.org Deutschland nach Rücksprache mit der Zentrale in San Francisco, die Kommentarspalte komplett zu entfernen. Hackmack sagte, für Change.org werde die Auseinandersetzung um die Petition Anlass sein, schneller reaktionsfähig zu werden. Mit Blick auf "Pegida" und die von Unterstützern abgegebenen Kommentare sagte er: "Es zeigt sich, welch Geistes Kind deren Anhänger sind." Sie hätten selbst den besten Beleg dafür geliefert, dass sie rassistisch und islamophob agieren.

"Pegida" ist das Kürzel für "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Zuletzt hatten sich am Montag vor einer Woche in Dresden 17.500 Anhänger versammelt, um gegen eine angebliche Überfremdung zu demonstrieren. In allen Parteien gibt es seit Wochen heftige Diskussionen über den Umgang mit der Bewegung.


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