Politik : Rationale Raserei (Kommentar)

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Ein Christ verletzt bei einem Autounfall einen moslemischen Jungen. Ein paar Tage später sind 400 Menschen tot, Kirchen und Moscheen ausgebrannt. Auf den Molukken, wie zuvor in Ost-Timor und in Aceh, hat sich der Hass Bahn gebrochen. Wir sind, selbstverständlich, schockiert. Die Menschenrechtsorganisationen rufen nach den UN. Wir sind, selbstverständlich, dafür und hoffen darauf, dass ihr Engagement uns ein paar schreckliche Fernsehbilder erspart. Und wir werden, selbstverständlich, merken, dass wir damit zu spät kommen. Denn was wir zurzeit in Indonesien erleben, sind die Folgen von vierzig Jahren autoritärer Herrschaft. Auf den Molukken demonstrierte Suharto: Die Unterdrückung ist notwendig, um den Frieden zwischen den Religionen zu gewährleisten. Oft genug wurde die religiöse Frage in Indonesien auf diese Weise instrumentalisiert. Jetzt gibt es wieder Gerüchte, dass die Urheber der Unruhen in Jakarta zu finden sind. Seitdem das Land einen neuen Präsidenten hat, ist der Armee nämlich daran gelegen, ihre Daseinsberechtigung zu unterstreichen. Die hätte sie, wenn auf den Molukken das Kriegsrecht ausgerufen würde. Die so irrational wirkende Grausamkeit hat bei näherer Betrachtung ganz rationale Ursachen.

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