Politik : Ratschläge eines Unbeirrbaren

Matthias Meisner

Biberach - Es passt nicht allen im Saal, dass Oswald Metzger hier auftritt. Als Politikberater und Publizist wird der Ex-Bundestagsabgeordnete angekündigt. Er ist einer der Erfinder des Politischen Aschermittwochs der Grünen, der nun zum zehnten Mal in Biberach stattfindet. Und unter den paar hundert Zuhörern sind längst nicht nur Grünen-Anhänger. Bankdirektoren, Mittelständler, Dorfbürgermeister haben an Ehrentischen Platz genommen.

Metzger war Finanzpolitiker. Strikt wie kein anderer war er auf Realokurs, verärgerte die Parteioberen regelmäßig durch schwarz-grüne Gedankenspiele. Jetzt will er zurück in den Bundestag. In Biberach gibt er einen Vorgeschmack, kritisiert eine weit verbreitete „Volksbeglückungspolitik“ und die Politiker-Nebenjobs. Die „Verfehlungen“ von Ex-Staatsminister Ludger Volmer müssten benannt werden, wollten die Grünen glaubwürdig bleiben. Kriminelle Energie bei Visa-Erteilungen müsse auch hinterfragt werden, wenn der Außenminister Grüner sei und Joschka Fischer heiße. „Wagenburg-Mentalität zahlt sich für uns nicht aus.“

Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin, die Hauptredner, werfen sich vielsagende Blicke zu. Sie sind nach Biberach gekommen, um mit der Opposition abzurechnen. Jetzt muss die Chefin der Bundestagsfraktion erst einen Seitenhieb in Richtung Metzger loswerden, den sie mit deutlich ironischem Unterton als „einen Unbeirrbaren“ beschreibt, der „uns in der ,Bild’-Zeitung gute Ratschläge gibt“. Fischer verteidigt sie mit den Worten, Schleuserei, Zwangsprostitution und Menschenhandel seien „kein Nebenprodukt unserer Politik, das ist Missbrauch“.

Die Abrechnung mit den Schwarzen kommt aber doch noch. Stoiber mache es „den Nazis so leicht“, sagt Göring-Eckardt, „er bereitet den Boden für Schlimmeres“. Asche aufs Haupt solle sich der CSU-Chef dafür streuen, dass er Schröder und die Regierung für das Erstarken der NPD verantwortlich gemacht hat. „Nehmen Sie diesen Satz zurück.“ Umweltminister Jürgen Trittin erinnert hingegen daran, dass vor einem Jahr keiner mehr einen Pfifferling auf die rot-grüne Regierung gegeben habe. „Das politische Klima hat sich dramatisch zu unseren Gunsten verändert.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben