Politik : Ratzmann tritt gegen Özdemir an Berliner bewirbt sich um Chefposten der Grünen

Sabine Beikler

Berlin - Wochenlang wurde spekuliert, ob der Berliner Grünen-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Volker Ratzmann, als Parteivorsitzender der Grünen kandidieren würde. Nun steht es fest, seine klare Entscheidung verkündete er am Sonnabend: „Ich wurde aus vielen Ländern aufgefordert zu kandidieren. Deshalb mache ich das auch“, sagte der 48-Jährige dem Tagesspiegel am Sonntag. Damit wird es auf dem Grünen-Bundesparteitag am 14. November in Erfurt eine Kampfkandidatur um die Nachfolge des scheidenden Parteichefs Reinhard Bütikofer geben: Ratzmann tritt gegen den 42-jährigen grünen Europapolitiker Cem Özdemir an, der Anfang Juni seine Kandidatur verkündet hatte.

Ratzmann plädierte für eine Realpolitik, die „neue Gestaltungsspielräume“ öffnen müsse. Die Grünen müssten sich von der SPD loslösen und „Gestaltungsmöglichkeiten außerhalb von Rot-Grün“ suchen. Allerdings dürfe das grüne Profil dabei nicht verloren gehen. Der Rechtsanwalt – er betreibt eine Kanzlei in Berlin mit der Grünen-Fraktionschefin Renate Künast – kam 2001 in die Landespolitik. Er stammt ursprünglich aus dem linken Lager, gilt aber mittlerweile als Pragmatiker und Reformert: In Berlin hat er den Weg im traditionell linken Landesverband für einen Jamaika-Kurs in der Opposition geebnet.

Kritisch bewertet Ratzmann Rot-Rot in Berlin. Es fehle an klaren Akzenten in der Bildungs- oder Wirtschaftspolitik. Eine Notwendigkeit, sich verstärkt mit den Linken auseinandersetzen müssten, sieht er so nicht. Außer der politischen Forderung, Hartz IV abzuschaffen, habe die Linke wenig zu bieten. Schwarz- grüne Optionen auf Bundesebene sind für Ratzmann reine Gedankenspiele. „Ich sehe wenig Anknüpfungspunkte. Bei Bundeskanzlerin Merkel hört der Klimaschutz da auf, wo die Interessen der Autoindustrie anfangen.“

Der grüne Reformerflügel will sich am kommenden Wochenende mit den Kandidaturen von Ratzmann und Özdemir auseinandersetzen. Parteichefin Claudia Roth wiederum wird der Linken zugerechnet. Ihre Wiederwahl gilt als unumstritten. Sabine Beikler

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