Politik : Rau fordert in Israel ein Ende der Attentate

Hamas droht nach Tötung eines Führers mit neuen Anschlägen

Charles Landsmann

Jerusalem. Bundespräsident Johannes Rau hat am Sonntag Israel und die palästinensische Stadt Bethlehem besucht. Dabei traf er mit Israels Staatspräsidenten Moshe Katzav zusammen, nicht aber mit Palästinenserpräsident Yassir Arafat. Trotz des privaten Charakters des Besuchs zeigte sich Bethlehems Bürgermeister Hanna Nasser im Vorfeld „enttäuscht, dass Präsident Rau nicht unseren Präsidenten Arafat in Ramallah besucht“. Rau sagte, er treffe Arafat deshalb nicht, weil ein solches Treffen nicht auf dem dicht gedrängten Programm seines privaten Besuches stehe, „aber nicht aus politischen Gründen“. Israel besteht seit kurzem darauf, dass hohe ausländische Gäste Arafat boykottieren. Sonst können sie nicht mit Ministerpräsident Ariel Scharon zusammentreffen.

In Jerusalem traf Rau mit dem ehemaligen Stadtoberhaupt Teddy Kollek zusammen. Rau lobte seinen persönlichen Freund als „Leuchtturm der Hoffnung in diesem Land“. Nach einem Treffen mit Staatspräsident Katzav sprach er sich für ein Ende der Gewalt aus. Rau sagte, „eine Beendigung der Attentate, für die es keinerlei menschliche Begründung gibt, ist gegenwärtig das Wichtigste“. Rau forderte, der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas müsse unterstützt werden, um die Umsetzung des Friedens-Fahrplans des Nahost-Quartetts zu ermöglichen.

Nach einer Kranzniederlegung am Ort des letzten Attentates in Jerusalem eröffneten die Staatsoberhäupter die Ausstellung „Verfolgte Kunst und Künstler unter totalitären Regimes in Europa während des 20.Jahrhundert“ in der Mittelmeer-Hafenstadt Ashdod. Zuvor hatte Rau die evangelische „Talitha Kumi“-Schule im palästinensischen Beit Jalla besucht, die vom Berliner Missionswerk getragen wird, und das „Caritas Baby Hospital“. Die jeweiligen Leiterinnen wiesen auf die „gewaltigen Schwierigkeiten“ hin, mit denen die Institutionen seit Ausbruch der Intifada vor drei Jahren konfrontiert sind.

Indes haben die Tötung eines Hamas-Anführers durch israelische Soldaten und neue Attentatsdrohungen der palästinensische Extremisten die Friedensbemühungen zurückgeworfen. Der Tod von Abdallah Kawasmeh werde Vergeltung nach sich ziehen, sagte ein Hamas-Sprecher am Sonntag in Gaza. Eine israelische Spezialeinheit hatte Kawasmeh am Vortag in Hebron getötet. Er war Chef des bewaffneten Hamas-Flügels im Westjordanland.

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