Politik : Rau in Indonesien: Besuch in schwieriger Zeit

Armin Wertz

Indonesien scheint in der deutschen Wirtschaft ein beliebter Stand- und Investitionsort zu sein - trotz gelegentlicher schmerzhafter Reinfälle, wie 1998, als die Deutsche Bank in Jakarta zehn Milliarden Mark Verluste einfuhr. Dies mag auch der Grund dafür sein, dass Bundespräsident Johannes Rau das Land von diesem Montag an gleich für vier Tage besuchen wird.

Zweimal wird Rau mit Indonesiens angeschlagenem Präsidenten Abdurrahman Wahid zusammentreffen, er wird Gespräche mit dessen Stellvertreterin Megawati Sukarnoputri, mit dem Parlamentssprecher Amien Rais sowie mit Abgeordneten führen. Außerdem trifft er im Rahmen eines "interreligiösen Dialogs" mit Vertretern der verschiedenen Religionsgemienschaften zusammen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Deutschen nicht gerade ein glückliches Händchen bei der Terminplanung ihrer Kontaktpflege mit der größten Moslemnation der Welt zeigen. Es waren die deutschen Vertreter, die dem entmachteten Ex-Diktator Suharto beinahe bis zum bitteren Ende die Treue hielten, als etwa die USA längst auf Distanz gegangen waren. Und nun scheint Rau "Gus Dur" zu Hilfe zu eilen, wie der Präsident im Volksmund genannt wird, dem Verwicklungen in zwei Korruptionsaffären vorgeworfen werden. Das Parlament hat nicht nur die ersten Schritte auf dem Weg zu einem Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Seit Wochen betreibt es die systematische Entmachtung Wahids. Sogar die Führer der mit 35 Millionen Mitgliedern größten Moslemorganisation des Landes, der Nahdlatul Ulama (NU), sprachen sich für eine Teilung der Macht zwischen Wahid und Megawati aus. "In diesem überhitzten politischen Klima sollte der Vizepräsidentin mehr Autorität gegeben werden", erklärte der Vizevorsitzende der NU.

Dabei verehrt die NU ihren einstigen Vorsitzenden Wahid heute noch beinahe wie einen Heiligen. Sie veranstaltet Massengebete zur Unterstützung des um sein politisches Überleben kämpfenden Präsidenten. Seit Tagen schon demonstrieren und randalieren ihre Mitglieder wütend in den Straßen von Wahids Heimat Ostjava und zünden beinahe täglich Büros der oppositionellen Golkarpartei an, die einst Suhartos Machtbasis war. Sie erpressen Lokalparlamente, Justizstellen und andere staatliche Organisationen, sie zu unterstützen. Inzwischen antwortet die Opposition mit ihrer eigenen Terrorkampagne, droht mit Bombenanschlägen gegen NU-Einrichtungen und randaliert auf Gegendemonstrationen durch die Straßen.

Zwar riefen in Jakarta 40 NU-Kleriker den Präsidenten auf, "freiwillig zurückzutreten, um einen Bürgerkrieg zu vermeiden". Die fortgesetzte politische Instabilität und wirtschaftliche Krise seien ausreichender Beweis, "dass der Präsident nicht in der Lage war, die Nation zu führen", begründete ein Sprecher der Ulamas, der Schulen islamischer Gelehrter, die Forderung.

Doch stur wiederholt "Gus Dur" seine Absicht, bis zum Ende seiner Amtszeit 2004 die Regierung führen zu wollen und droht gelegentlich dunkel mit seinen Millionen von Anhängern, die für ihn kämpfen würden. Nach einem Bericht des "Thomson & Thomson Reports", der sich auf politische Analysen spezialisiert hat, soll Wahid sogar gedroht haben, es werde Blut fließen.

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