Politik : Rau, Weizman und Peres waren unter den 200 Trauergästen

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Zwei Tage nach seinem Tod ist Ignatz Bubis am Sonntag auf dem Kirjat-Schaul-Friedhof in Tel Aviv im Beisein von etwa 200 Trauergästen beigesetzt worden. An der Trauerfeier nahmen unter anderen Bundespräsident Johannes Rau, Bundesinnenminister Otto Schily, der israelische Staatspräsident Ezer Weizman und der frühere Regierungschef Schimon Peres teil. Auch der amtierende Bundesratspräsident, Roland Koch (CDU), Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth und SPD-Bundesgeschäftsführer Ottmar Schreiner waren gekommen.

Rau würdigte Bubis als Mann der Versöhnung und des Ausgleichs. Er habe jüdisches Leben in Deutschland zu einer Zeit erhalten, als andere schon gesagt hätten, dies sei nicht mehr möglich. Der Oberrabbiner in Israel, Meir Lau, sagte der Trauergemeinde, Bubis sei der Überzeugung gewesen, dass Israel die wahre Heimat der Juden sei. Er sei aber in Deutschland geblieben, um die Reste der jüdischen Gemeinde dort zu erhalten. Ignatz Bubis wurde im Beisein seiner Witwe Ida und anderen Familienmitgliedern in einem einfachen, schwarz-weißen Gebetstuch zur letzten Ruhe gebettet. Zu einem Zwischenfall kam es beim Schließen des Grabes, als der Künstler Meir Mendelssohn schwarze Farbe über die Grabplatte auskippte. Zu seinem Motiv sagte er später, Bubis habe die Juden betrogen.

Bubis war am Freitag im Alter von 72 Jahren in einem Frankfurter Krankenhaus an Knochenkrebs gestorben. Er hatte eine Beerdigung in Israel unter anderem mit der Begründung gewünscht, sein Grab solle nicht wie das seines Vorgängers Heinz Galinski in Berlin von Antisemiten in die Luft gesprengt werden können.

Der Berliner Gemeindevorsitzende Andreas Nachama sagte in der ARD, über einen neuen Präsidenten des Zentralrats werde nach Ende der Trauerperiode in einigen Wochen gesprochen. Nachama selbst gilt als Anwärter. In Berlin hieß es zur Nachfolgefrage, auch der Zentralrat der Juden beherzige die Trauerfristen. Eine Personaldiskussion verbiete sich zum jetzigen Zeitpunkt, es würden keine übereilten Entscheidungen getroffen. Das jetzige Präsidum des Zentralrats der Juden in Deutschland wird wahrscheinlich, wie es auch die Satzung vorsieht, bis zur Neuwahl im Herbst weiter amtieren.

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