Politik : Rauchzeichen

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wo Rauch ist, sagt das Sprichwort, ist auch Feuer. Aus dem Chemie-Unterricht wissen wir, dass das nicht in jedem Einzelfall stimmt, zum Beispiel die rauchende Schwefelsäure raucht einfach so. Aber das ist ja bei Sprichwörtern meistens der Fall, dass sie nur meistens stimmen. Sonst wären sie keine Sprichwörter, sondern Naturgesetze. Der Zusammenhang zwischen Rauch und Feuer erweist sich allerdings im praktischen Leben schon als fast so etwas wie ein Naturgesetz. Deshalb gründet auf ihm das Konstruktionsprinzip des Rauchmelders. Das ist nun ohne Zweifel ein sehr nützliches Gerät, sieht man einmal von den wenigen Fällen ab, in denen technisch nicht ganz so versierte Besitzer den Qualmdetektor unmittelbar über dem Küchenherd an die Decke geklebt haben. Er gibt dann zuverlässig Alarm, sobald der Wasserkessel kocht. Denn der Rauchmelder unterscheidet nicht zwischen bösem und harmlosem Dunst, auch blauer kann ihn in die Irre führen. Aber immer noch besser ein Fehlalarm als keiner. In Bürogebäuden ist darum der Rauchmelder vorgeschrieben. Und er muss nicht nur da sein, er muss auch funktionieren. Was aber, wenn er nicht funktioniert, und zwar nicht nur mal für ein paar Minuten nicht, sondern hartnäckig? Dann darf in den Büros nicht mehr gearbeitet werden. Es sei denn – es sei denn, es handelt sich um das Bundesministerium für Bau und Verkehr. Neulich ist da mal ein Besucher vorbeigekommen und hat sich gewundert. Weil nämlich in den Fluren des Baus in der Invalidenstraße jeweils in den Ecken lauter ältere Herren saßen. Der Gast hat erst an einen Maut-Versuch gedacht. Bis ihn ein Mitarbeiter aufklärte: „Das? Das sind unsere Rauchmelder.“

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