Politik : Rauer Charme

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Noch vor drei Jahren hätte niemand geglaubt, dass Klaus Wowereit in absehbarer Zeit Regierender Bürgermeister von Berlin werden könnte. Der 48-jährige Berliner, der aus „kleinen Verhältnissen“ kommt und insofern etwas gemeinsam hat mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, hat auch politisch ganz unten angefangen. Und sich unauffällig, aber unaufhaltsam nach oben vorgearbeitet: Bezirksverordneter, Bezirksstadtrat, SPD-Fraktionschef in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof, Mitglied des Abgeordnetenhauses, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Mitglied des Fraktionsvorstands, SPD-Fraktionvorsitzender. Seit dem 16. Juni 2001 ist er Regierender Bürgermeister.

Was Wowereit ganz nach oben gebracht hat, ist sein kommunikatives Talent, ein ausgeprägter Machtinstinkt, ein etwas rauer Charme, gewürzt mit einer Prise Humor, dazu die Fähigkeit, Fehler zu finden und Probleme zu benennen. Das Lachen ist ihm inzwischen teilweise vergangen, und die Fehler werden jetzt bei ihm gesucht. Der lange Weg an die Regierungsspitze in Berlin war für ihn leichter als die Ausübung der Macht seit einem Jahr im Roten Rathaus. Zumal der Regierungspartner inzwischen PDS heißt. Die rot-rote Koalition hat große Mühe, Tritt zu fassen, und das liegt auch an Wowereit, der sich vor einem Jahr noch über Menschen lustig machte, die Visionen und politische Leitbilder von ihm verlangten. Er ist Pragmatiker durch und durch und wird es wohl auch bleiben.za

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