Politik : Raues Klima bei den Bischöfen

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Berlin Die katholischen Bischöfe sind ein verschwiegener Kreis. Meinungsdifferenzen werden – wenn überhaupt – hinter verschlossenen Türen ausgetragen. Umso ungewöhnlicher, dass seit kurzem öffentlich die Fetzen fliegen. Äußerer Anlass ist der Katholikentag in Ulm. Eigentlich aber geht es darum, schon jetzt für die Nachfolge von Kardinal Lehmann an der Spitze der Bischofskonferenz die Pflöcke einzuschlagen. Denn einer konservativen Minderheit – von Rom gestützt und vom Kölner Kardinal Joachim Meisner angeführt – passt die ganze Richtung der deutschen Kirche nicht.

Man müsse sich fragen, schimpfte Meisner, ob das mit den Laientreffen in Zukunft so weitergehen könne. Seine Kollegen Ludwig Schick aus Bamberg und Walter Mixa aus Eichstätt sprachen von einem Klub, in dem über alles und jedes debatiert werde, und kritisierten die Auftritte von kirchenkritischen Theologen wie Eugen Drewermann und Hans Küng. Die eigenständige Rolle der katholischen Laienorganisation ist diesen Oberhirten schon länger ein Dorn im Auge. Und sie möchten – anders als Lehmann – das Gremium künftig stärker an die Leine legen.

Im Kern jedoch zielt die Kritik auf Lehmann selbst, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Dessen dritte Amtszeit endet im Herbst 2005. 18 Jahre stand er an der Spitze des Gremiums. Und ob er noch ein viertes Mal antritt, lässt der 69-Jährige bislang offen. Er steht für eine offene Kirche, die das Gespräch sucht, Laien ernst nimmt und Reformen befürwortet. In ungewöhnlich scharfer Form wies er nun seine Kritiker in die Schranken: „Es wäre mir sehr recht gewesen, wenn ich in Ulm bei schwierigen Auftritten und Diskussionen noch mehr Mitstreiter aus der Reihe derer gehabt hätte, die jetzt Kritik üben", erklärte er. Kampflos das Feld räumen, das jedenfalls will Lehmann wohl nicht. M.G.

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